Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich nicht über Fußball schreiben will? Klappt nicht! Diese Woche bin ich total drauf hängengeblieben.
Mein Thema heute: Groupies im Stadion
Ich stehe gemütlich im Stadion und versuche durch den Zaun und die klatschenden Hände dem Spielverlauf zu folgen. Ok, das mit dem Spielverlauf verfolgen klappt manchmal nicht so gut. Beim letzten Heimspiel hab‘ ich erst in der Zusammenfassung mitbekommen, dass einer vom Platz gestellt wurde, aber egal. Jedenfalls stehe ich da und bin redlich bemüht zu folgen und singe nebenher ein bisschen mit um den Vorsänger und mich glücklich zu machen. Plötzlich geht dann hinter mir das Gekreische los: „Aahh, Tiiiimoooooo, Tiiiiimoooo.“, obwohl der noch auf der Bank sitzt. Ok, vielleicht hört er’s ja trotzdem, aber vor allem hör’s ich und mich nervt’s. Ich dreh mich um, und seh die kreischenden Mädels. Mit ihrem Handtäschchen überm Arm stehen sie da im Timo-Trikot, was bauchfrei nach oben gerollt ist. Um den Hals einer dieser hübschen Mädchen-Fan-Schals in rosa und hellblau mit Herzchen (das gibt’s echt!) sind sie mit einem Handy bewaffnet um auch ja ein Foto vom süßen Timo zu bekommen.
Liebe Mädels: Kreischen passt nicht ins Stadion, nutzt Eure stimmliche Gewalt doch lieber dafür, um das mitzusingen, was alle singen. Der Timo hört und sieht Euch nicht, denn wenn er seine Zeit auf dem Platz mit Mädelsschauen verbringen würde, säße er die nächsten Jahrzehnte auf der Bank. Und davon mal abgesehen, hat der Timo eh eine Freundin und ist bestimmt sieben bis zehn Jahre älter als ihr. Also schont doch bitte unser aller Nerven oder stellt Euch wenigstens weit weg, in den E4 oder so…
Woran merkt man, dass man in der Südstadt wohnt?
Der nächtliche Geräuschpegel kann darauf hindeuten. Auch der hohe Anteil an anderssprachiger Bevölkerung und die hohe Dichte von türkischen Supermärkten. Die Alkoholauswahl in allen Läden ist dreimal so groß wie die Gemüseauswahl und der durchschnittliche Kunde hat zumindest eine Fahne, wenn nicht schon einen sitzen. Ein weiterer Hinweis ist, dass Samstags abends alle 40 ‚Stirb langsam 4.0‘-DVDs ausgeliehen sind. Aber wirklich sicher kann man sich sein, wenn einem abends, kurz vor Ladenschluss, im Discounter um die Ecke ein tätowierter Mann, mit kurzen Hosen und Oi!-Pulli, in seinem Tabakbeutel kramend, im Gang den Weg versperrt um einem sein selbstangebautes Gras zu schenken. „Zum Testen ob’s gut haut“. Dankeschön, und wohin mit dem Testbericht? Aber wahrscheinlich trifft man sich einfach mal wieder um zwei Minuten vor Ladenschluss im Discounter.

Ich muss schon sagen, das hätte was: Mittwochs morgens Forschungsbesprechung mit den Schwaben und ich klappe mein KSC-Notebook auf. Ebenso spassig im Pendler-Zug KA-S. Hach, wenn mein Notebook nicht gerade erst ein paar Monate alt und wenn das Innenleben des KSC-Notebooks nicht so schlecht wäre…
Eben gerade habe ich mehrere KSC-Spieler im studivz entdeckt. Ich sitz hier und schüttel den Kopf. Was die sich für nette Namen ausgedacht haben…
Eine Sensation: Der Pfälzer und ich waren zusammen laufen. Seit September Mai, versuchen wir immer wieder Termine zu finden und am Samstag hat’s tatsächlich mal wieder geklappt. Wir haben auch eine schöne Runde gedreht, haben mir unbekannte Wege probiert. Mit den Füßen durchs Laub, ach wie herrlich. Und wie jedesmal nach dem Laufen, standen wir dann noch eine Weile vor meiner Haustür und haben geredet. Und während wir da so standen, uns über Bücher, Filme, Klatsch und Tratsch austauschten, lief eine Gruppe Menschen mit Kinderwagen an uns vorbei. Die junge Frau, die den Kinderwagen schob, kam mir irgendwie sehr bekannt vor. Im Kopf ging ich gleich alle in Frage kommenden Personen durch, aber die einzige, die mir einfiel, war eine ehemalige Kollegin aus meiner Zustellerzeit. Die ist allerdings vor fünf Jahren an den Bodensee gezogen mit ihren Freund, der auch ein Zustellerkollege war. Während ich noch meine Gedanken ordnete und mich wieder meinen Gespräch widmete, standen sie plötzlich beide vor mir, die Ex-Zustellerkollegen. Der Hammer! Ich war völlig von der Rolle. Er hatte mich im Vorbeilaufen erkannt. Und vor lauter von der Rolle sein, Austauschen der Neuigkeiten (Wir haben geheiratet.-Wir auch, das ist unsere Maus. – Ach was, krass. Glückwunsch. uws.) hab ich nicht mal nach ihren email-Adressen, Handynummern oder sonstwas gefragt. Immerhin haben sie angekündigt beim nächsten Heimatbesuch bei uns zu klingeln, weil wo wir wohnen, wissen sie ja jetzt. Hoffentlich machen sie das auch. Wie oft hab‘ ich in den letzen Jahren an die beiden gedacht…

„Ihr immer mit Eurem Fussball“ gab’s gestern beim Filmrätsel zu lesen, als mal wieder off-topic Glückwünsche zu Siegen ausgetauscht wurden. Ja, wir mit unserem Fussball, kann ich dazu nur sagen. Es ist beinahe unbeschreiblich, wenn man in der Abenddämmerung im Flutlicht steht und die Mannschaft zu lauter Musik das Stadion betritt. Euphorie macht sich breit. Heute gewinnen wir! Wenn dann die eigene Mannschaft auch noch so schön spielt, dass es eine Freude ist zuzuschauen, ist die Dauerkarte schon am 12. Spieltag jeden Euro wert gewesen. Wirklich unbeschreiblich ist das Gefühl wenn dann ein Tor fällt und aus knapp 30.000 Kehlen gleichzeitig „JA“ erschallt. Da fängt schon das Herz an zu klopfen. Probiert’s aus, ihr Nicht-Fussballfans.
Und nun zum KSC: ich hatte gestern wirklich Freude den Jungs beim Kicken zuzuschauen. Ungläubiges Staunen, wenn sie den Gegner einfach ausspielen. Hämisches Lachen, wenn Maik Franz mal wieder sein „Ich hab nichts gemacht und kann sowieso kein Wässerchen Trüben“-Gesicht aufsetzt, nachdem er einen Gegner umgerannt niedergemäht hat. Aber zu nah sind noch die unzähligen Spiele gegen den Abstieg in der 2. Liga, die Erinnerungen an Spiele, wo man nicht in Überzahl gewinnen konnte, zu nah, um es wirklich glauben zu können. Es ist kein Traum. Plötzlich kann man sagen, dass man zum KSC geht, ohne ausgelacht zu werden oder dämliche Fragen wie „Welche Liga spielen die jetzt?“ beantworten zu müssen. Die Schwaben sind beim Mittagessen plötzlich nicht mehr so großmäulig, denn die Nummer 1 im Land sind jetzt wir. Und doch gibt es noch immer ungläubige Blicke auf meine Kicker-Stecktabelle, wenn Gelegenheits-Fussballfans in mein Büro stolpern. Und ich muss selbst oft draufschauen: unglaublich, da steckt der KSC in der ersten Zeile und das noch nicht mal ganz hinten.
Bei Johannes habe ich vorhin The Party erraten und so findet das 599. Filmrätselstöckchen bei mir statt. Für Neulinge gibt’s hier alles Wissenswerte.
Um 20 Uhr Jetzt geht’s los. Na, wer holt sich die Nummer 600?

Marielen hat Matando Cabos erraten, der meiner Meinung nach sehr sehenswert ist.
Das Stöckchen ist frei, wer es will, darf es aufheben. Johannes macht um 22:30 Uhr weiter.

D. und ich wollten gestern, da ich frei hatte, mal zusammen in die Mensa gehen. Allerdings sind wir so spät aufgestanden, dass wir pünktlich zum großen Ansturm um 13 Uhr da waren und dann sind wir lieber zum Ballermann was essen gegangen. Anschließend bin ich zum Spass einfach mit in die Vorlesung gegangen. „Das Drama“ war das Thema. War gar nicht so schlecht und vor allem war’s mal wieder lustig eine Vorlesung als Zuhörer mit zu machen, wo ich doch in letzter Zeit eher auf der anderen Seite stand. Aber so viele Frauen im Hörsaal hab‘ ich noch nie erlebt, Geisteswissenschaften eben. Kein Wunder, dass viele der männlichen Studenten da auch lange Haare tragen. Dann fallen die nicht so auf.
Aber das Seltsamste waren die Tische. Da stand nämlich überall H&M drauf. H&M macht Möbel? Oder haben die den Hörsaal verkauft? Ist das jetzt der H&M-Hörsaal, so wie der Audimax der Audi-Hörsaal ist (ja, mal eben das ‚max‘ an Audi verkauft…). Für was brauchen die dann eigentlich noch die Studiengebühren, wenn schon die Hörsäle zu Werbeflächen werden?
Heute beim Krafttraining wunderte ich mich über die begrenzte Auswahl auf meinem mp3-Player und überlegte, ob ich wohl die Speicherkarte deaktiviert hätte. Da fiel mir ein, dass ich die Speicherkarte letztes Mal beim Laufen rausgenommen hatte, weil die Batterie schwach war und der mp3-Player dann nur noch ohne Karte funktioniert. Die Speicherkarte hatte ich in die Trikottasche gesteckt und da auch dringelassen.
Wieder zu Hause machte ich mich dann gleich auf die Suche. Das Trikot war natürlich inzwischen gewaschen und die Taschen leer. D. hat dann die Speicherkarte aus der Waschmaschine gefischt, klatschnass natürlich. Jetzt liegt sie hier zum Trocknen und ich bin mal gespannt ob sie hinterher noch funktioniert.
Update: Die Speicherkarte funktioniert einwandfrei!
Es war einmal ein junger Mann, der ein Buch las und davon inspiriert wurde einen Fahrradkurierdienst zu gründen. Dieser Kurierdienst lief gut und wuchs. Die Fahrradkuriere konnte man als idealistische Freaks bezeichnen. Die Firma war klein und familiär. Es gab eine Werkstatt, wo man an seinem Fahrrad schrauben konnte, im Notfall sogar professionelle Hilfe durch Fahrradmechaniker, es gab Kaffee, Milch, Haferflocken, Sprudel und Brausetabletten, einen Aufenthaltsraum mit Sofa und Fernseher und eine Küche mit Nudeln und Tomatensoße. Irgendwann fiel den idealistischen Freaks dann ein, dass es doch ganz nett wäre, den Kunden eine neue Dienstleistung anzubieten, nämlich die Versendung von Briefen innerhalb des Stadtgebietes über den Fahrradkurier. Die Leistung sollte billiger als bei der Post sein und die Zustellung taggleich. Und so kam es. Da ich nach dem ersten Semester auf der Suche nach einem Job für die Ferien war, und einer meiner Freunde als Kurier fuhr, wurde ich als Zustellerin eingestellt. Alles unkompliziert, kein Vertrag, Arbeitszeiten nach Absprache. Zu diesem Zeitpunkt wurden über die Firma jeden Tag etwa 2500 Briefe verschickt. Die Touren waren lang, die Briefdichte gering und die Arbeit machte Spaß. Als etwa ein Jahr später die Anzahl der zu versendenden Briefe angestiegen war, war eine taggleiche Verarbeitung und Zustellung der Briefe nicht mehr möglich und es wurde auf die sogenannte Overnight-Zustellung umgestellt. Für mich als Studentin war das erstmal schlecht, da die Briefe nun vormittags während meiner Vorlesungen zugestellt werden sollten. Also wurde ich nun auch eingesetzt um nachmittags Briefe bei Kunden abzuholen und Briefe zu sortieren. Man kann kaum glauben, wie schnell man das Gehirn nicht mehr braucht um Briefe nach Postleitzahlen zu sortieren. Also konnte man das Gehirn benutzen um sich mit den Mitsortierenden zu unterhalten. Es war Sommer und es war die beste Zeit. Man saß abends noch zusammen auf der Treppe, trank mal ein Bier, lernte Menschen kennen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Wir waren eine Familie geworden. Aber die Firma wuchs und es wurden viele neue eingestellt. Es musste die schmerzliche Erfahrung gemacht werden, dass man nicht jedem vertrauen kann. Arbeit wurde strenger kontrolliert, Mitarbeiter misstrauisch beobachtet. Irgendwann rechnete jemand für viel Geld aus, dass Nudeln und Soße zu teuer seien und so wurde das abgeschafft. Irgendwann wurde die Werkstatt abgeschlossen, weil zu viel geklaut wurde. Die kleine Firma war langsam zu einer großen geworden. Je anonymer alles wurde umso größer wurde der Unmut über schlechte Bezahlung und erste Familienmitglieder blieben auf der Strecke. Doch die Firma wuchs weiter. Kooperationen mit anderen Briefdienstleistern wurden eingegangen. Die Belegschaft wechselte und änderte sich. Man arbeitete nun für Geld und nicht mehr für die Firma. Nach einigen Jahren war die Firma groß geworden und somit auch Geld wert. Der junge Mann, der einst das Buch gelesen hatte, nahm schließlich ein Übernahmeangebot eines Kooperationspartners an, der kurz darauf vom nächstgrößeren geschluckt wurde. Es wurde umstrukturiert, Kaffee, Milch und Haferflocken abgeschafft und langjährigen Mitarbeitern wurde gekündigt. Die Stimmung war schlecht geworden und viele waren froh, rechtzeitig den Absprung geschafft zu haben.
Das Ende der Geschichte: Der junge Mann mit dem Buch und der Vision ist nicht länger Geschäftsführer seines Lebenstraums. Er wurde wegrationalisiert.
Sowas passiert, wenn die Kleinen groß werden.
Es lebe das Geld und der Kapitalismus!