{"id":727,"date":"2008-12-16T11:41:33","date_gmt":"2008-12-16T10:41:33","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/?p=727"},"modified":"2008-12-16T11:41:33","modified_gmt":"2008-12-16T10:41:33","slug":"der-kunde-als-knecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/der-kunde-als-knecht\/","title":{"rendered":"Der Kunde als Knecht?"},"content":{"rendered":"<p>Gestern abend kurz vorm Schlafengehen zappte ich zuf\u00e4llig in eine Sendung beim SWR. <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/betrifft\/kunde\/-\/id=98466\/nid=98466\/did=4221664\/dd5q18\/index.html\" target=\"_blank\">&#8222;Der Kunde als Knecht&#8220;<\/a> war das Thema. Angesprochen werden sollte, dass wir heutzutage viele Dinge selbst machen, die fr\u00fcher noch Dienstleistungen waren. Im Selbstversuch probierte die SWR-Autorin alle m\u00f6glichen Selbstbedinungsangebote unterschiedlicher Anbieter aus. Dabei wurde immer wieder betont wie schwierig das alles sei. Ich schaltete zu, als es gerade um Bahnfahrkarten ging. Da wurde zwei Bahnfahrkarten jeweils am Schalter, am Automat, im Internet und im Reiseb\u00fcro gebucht. Das Fazit war, dass es ja gar nicht billiger sei, wenn man es selbst im Internet oder am Automat macht. Es sei also ein Outsourcing von Arbeit an den Kunden, der daf\u00fcr nichts bekommt. Tats\u00e4chlich fand sich das Reiseb\u00fcro bei den zwei gew\u00e4hlten Verbindungen sogar am besten im &#8222;Tarifdschungel&#8220; der Bahn zurecht. Was allerdings verschwiegen wurde, war, dass die ausgew\u00e4hlten Verbindungen und Reisendenkonstellationen so komplex waren, dass der g\u00fcnstigste Preis nicht auf der Hand lag. Und den Fall, dass eine Hin- un R\u00fcckfahrt billiger ist, als eine einfache Fahrt, den muss man sich auch schon genau vorher aussuchen. Als Kunde bekomme ich aber doch etwas daf\u00fcr, dass ich die Arbeit selbst mache. Ich spare Zeit. Statt eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnschalter zu stehen, kann ich f\u00fcnf Minuten vor Abfahrt noch schnell ein Ticket aus dem Automat ziehen. Klar, dass das f\u00fcr die \u00e4ltere Generation oder f\u00fcr Leute, die nicht oft Bahn fahren verwirrend und kompliziert ist, aber genau f\u00fcr die gibt&#8217;s doch die Bahnschalter. Warum also beschweren?<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Beispiel waren die Packstationen. &#8222;Zuf\u00e4llig&#8220; filmten sie eine junge Dame, die gerade ein Paket abholte und erz\u00e4hlte, dass es am Vortag eine St\u00f6rung gegeben hatte uns sich das Fach nicht \u00f6ffnete. Sie musste also ein zweites Mal hin. Die vielen anderen Leute die jeden Tag problemlos ihre Pakete abholen, die haben sie nicht gezeigt. Die SWR-Autorin wollte dann im Selbstversuch ein Paket \u00fcber die Packstation verschicken und das Paket vorher online frankieren. Da gab es zu bem\u00e4ngeln, dass man sich vorher f\u00fcr Paypal anmelden muss. Zum Ausdrucken des Scheins fehlte ihr dann die aktuelle Java-Version. &#8222;Huch, jetzt will der was installieren!&#8220;. Da hat sie einen Schreck bekommen. Nach ner halben Ewigkeit hatte sie dann Java installiert. Das Ausdrucken hat auch noch eine Weile gedauert (&#8222;Acrobat will eine Verbindung zur Seite herstellen. Soll ich da &#8222;Annehmen&#8220; oder &#8222;Blockieren&#8220; klicken?&#8220;). Und dann musste sie das Paket ja auch noch zur Packstation bringen, was wider Erwarten problemlos funktionierte. Insgesamt hat sie also \u00fcber eine Stunde um das Paket abzuschicken. Aber mal ehrlich, ist das die Schuld von der Packstation? Schlie\u00dflich h\u00e4tte sie das Porto auch an der Packstation mit EC-Karte bezahlen k\u00f6nnen. Niemand hat sie gezwungen das online zu machen. Au\u00dferdem h\u00e4tte sie sich ja mit ihrem Paket auch eine dreiviertelstunde in die Schlange bei der Post stellen k\u00f6nnen. Wenn das der Service ist, den sie sich w\u00fcnscht. Zuf\u00e4lligerweise wei\u00df ich auch, dass die Packstationen keine Sparma\u00dfnahme der Post sind. Die lohnen sich n\u00e4mlich nicht. Aber f\u00fcr viele berufst\u00e4tige Menschen ist es eine Erl\u00f6sung die Pakete nicht Samstags (wer hat schon unter der Woche zu Post\u00f6ffnungszeiten frei) mit 300 anderen in der Postfiliale abholen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dann fuhr die Autorin einen Professor besuchen, der ein Buch \u00fcber das Thema geschrieben hat. Der fing an davon zu erz\u00e4hlen, wieviel Kohle IKEA dadurch spart, dass alle ihre Billy-Regale selbst aufbauen. Ein Unding sei das. Allerdings w\u00fcrde IKEA die Aufbaukosten ja auf den Regalpreis draufschlagen, wenn sie das f\u00fcr alle Kunden aufbauen m\u00fcssten. Ich glaube, dass viele es vorziehen eine halbe Stunde selbst zu investieren und dadurch Geld zu sparen. Wer das nicht will, der kann ja in einem anderen M\u00f6belhaus einkaufen.<\/p>\n<p>Der Professor hat im Selbstversuch einige Onlinekonten und bestellt auch \u00f6fters mal im Internet. Dar\u00fcber hatte er nur zu schimpfen. Die Onlineshops seien so kompliziert, dass man sich eh nur bei einem anmeldet. Die Tortur w\u00fcrde man nicht ein zweites Mal durchmachen. H\u00e4? Also ich finde online einkaufen nicht besonders kompliziert. Dar\u00fcberhinaus bietet es den Vorteil, dass man quasi alles kaufen kann. Da kann man schon einige Zeit in der Stadt verbringen, um so ein Angebot zu finden. Er versuchte dann live vor der Kamera eines seiner Onlinekonten \u00fcber die Telefonhotline zu k\u00fcndigen. &#8222;Bitte nennen Sie Ihre Kontonummer oder geben sie \u00fcber die Telefontastatur ein&#8220;. Nix besonderes also. Nur stellte der das Telefon auf Raumlautsprecher und nuschelte seine Nummer aus einiger Entfernung. Das hat der Automat nicht verstanden. \u00dcber die Tastatur eingeben wollte er sie nicht. Er hat dann lieber aufgelegt und gejammert. Das sei alles so kompliziert. Fr\u00fcher, da hat einen der Bankangestellte noch mit Namen gekannt und konnte die Kontonummer auswendig. Also erstens finde ich Telefonbanking nicht wirklich kompliziert und zweitens ziehe ich es vor mir mein Geld am Automat dann zu holen, wenn ich es brauche und nicht dann, wenn die Bank offen hat bei dem Angestellten der meinen Name kennt.<\/p>\n<p>Es folgten dann noch ein Check-In Automat eines Hotels und die Elsterformulare f\u00fcr die Steuererkl\u00e4rung. Fazit der Sendung war: wir machen so viele &#8222;sehr komplizierte&#8220; Dinge selbst und die Firmen sparen damit Personal und Kosten ein. Wir haben davon nichts. Alles quatsch, finde ich. F\u00fcr mich ist es ein Zugewinn an Lebensqualit\u00e4t, wenn ich meine Freizeit nicht in Schlangen an Postschaltern, Bankschaltern oder bei \u00c4mtern verbringen muss. Wenn die Generation der \u00fcber 50j\u00e4hrigen das nicht so sieht, k\u00f6nnen die das ja gerne machen. Niemand zwingt sie sich mit der ungeliebten Technik rumzuschlagen, aber vielen anderen Menschen macht genau die das Leben unsagbar leichter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern abend kurz vorm Schlafengehen zappte ich zuf\u00e4llig in eine Sendung beim SWR. &#8222;Der Kunde als Knecht&#8220; war das Thema. Angesprochen werden sollte, dass wir heutzutage viele Dinge selbst machen, die fr\u00fcher noch Dienstleistungen waren. Im Selbstversuch probierte die SWR-Autorin alle m\u00f6glichen Selbstbedinungsangebote unterschiedlicher Anbieter aus. 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