{"id":703,"date":"2008-10-27T10:46:37","date_gmt":"2008-10-27T08:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/?p=703"},"modified":"2008-10-27T10:46:37","modified_gmt":"2008-10-27T08:46:37","slug":"nervenbundel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/nervenbundel\/","title":{"rendered":"Nervenb\u00fcndel"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt so Tage, da glaube ich, irgendjemand l\u00e4sst einen Haufen Idioten los, um mich zu nerven. So ein Tag war am Freitag. Nachdem es mit fr\u00fcher nach Hause gehen mal wieder nicht geklappt hat, sa\u00df ich in meinem \u00fcblichen Zug, der, wie immer, ordentlich voll war. Immerhin gab&#8217;s noch einen Sitzplatz f\u00fcr mich. Aber leider nicht am Fenster, sondern nur am Gang. Fensterpl\u00e4tze mag ich lieber, weil man dann nicht aufstehen muss, wenn der neben einem aufstehen m\u00f6chte. Am Freitag war&#8217;s dann eben nur ein Gangplatz. Der Typ neben mir hat sich mit seiner Zeitung sch\u00f6n breit gemacht, so dass ich nur zwei Drittel meines Sitzplatzes f\u00fcr mich alleine hatte. Ich hab trotzdem versucht zu schlafen, wobei ich aber immer ein Ohr beim Nebensitzer hatte, dass ich, falls er aussteigen muss, nicht tief und fest schlafe. Nach 15 Minuten h\u00e4lt der Zug dann das erste Mal. Kurz davor klappt der Typ seine Zeitung zusammen. Ok, der muss aussteigen, denke ich und mache mich wach. Aber der will gar nicht aussteigen. Ein paar Minuten sp\u00e4ter kommt schon der n\u00e4chste Bahnhof. Kurz davor wird der Typ neben mir unruhig und nimmt seinen Rucksack auf die Knie. Ich denke wieder, er muss aussteigen und er bleibt wieder sitzen. Ich bin langsam genervt, weil er mich mit seinem hektischen Rumgefuhrwerke vom Schlafen abh\u00e4lt. An der n\u00e4chsten Station, da steigt er dann endlich aus und ich freue mich auf zwanzig Minuten ungest\u00f6rten Schlaf. Aber nix war&#8217;s mit Schlafen. Auf den inzwischen freigewordenen Zweiersitz neben mir setzt sich eine junge Dame mit Umzugskartons und Kopfh\u00f6rern in den Ohren. Die haben wohl verhindert, dass sie selbst geh\u00f6rt hat, was sie f\u00fcr grauenvolle Ger\u00e4usche durch das Hochziehen ihrer Nase erzeugt hat. Die war wohl irgendwo \u00fcbel verschleimt und hat alle paar Minuten versucht ihre Nase freizubekommen. Zwischendurch hat sie dann versucht, den Schleim, der im Rachen angekommen ist, rauszuhusten. Das war so ekelhaft, dass es mir auch den restlichen Schlaf geraubt hat.<\/p>\n<p>Und als w\u00e4re das noch nicht genug gewesen, war abends auch noch Chorprobe. Ich war ein bisschen sp\u00e4t dran und f\u00fcrchtete schon beim Einsingen, dass der einzige freie Platz neben der jungen Dame sein w\u00fcrde, die sich am streberhaftesten einsang. Die wippte mit, schaukelte, strengte sich an und unterst\u00fctzte sich selbst mit Gesten. Und da musste ich dann tats\u00e4chlich sitzen. Erst weigerte sie sich direkt zur anderen Stimme r\u00fcberzurutschen, weil sie ja neu sei, um dann hinterher die ganze Zeit raush\u00e4ngen zu lassen, wie toll sie doch singen kann. Toll, wenn man mit Vibrato singen kann, aber im Chor hat das eigentlich nichts verloren. Da tr\u00e4llerte sie also neben mir und ging mir auch damit auf die Nerven, dass sie, wenn wir gerade nicht singen mussten, ihre Stimme noch mal f\u00fcr sich gesungen hat. An einer Stelle wurde das St\u00fcck ziemlich hoch. Da stand sie auf zum Singen, weil sie dann besser hoch kommt. Mag ja schon sein, aber solange wir noch T\u00f6ne \u00fcben ist es egal, ob&#8217;s grandios oder grauenhaft klingt. Ihr Aufstehen f\u00fchrte dann dazu, dass wir alle aufstehen mussten. Nach ner anstrengenden Arbeitswoche kann ich mich f\u00fcr Singen im Stehen meistens nicht besonders begeistern. W\u00e4hrend wir da noch standen, fing sie an sich zu r\u00e4keln und vor sich hin zu st\u00f6hnen. Weder ich noch die Sitznachbarin auf der anderen Seite fragte nach dem Grund. Den hat sie mir dann sowieso ungefragt mitgeteilt. Sie sei so verspannt und ob ich ihr mal den R\u00fccken abklopfen k\u00f6nnte. Geht&#8217;s noch? Ich steh schon mal grunds\u00e4tzlich nicht auf massieren und diese &#8222;Jetzt geht mal zu jemandem, mit dem ihr noch nie geredet habt und dann massiert den&#8220;-Spiele im Chor, finde ich einfach nur grauenvoll. Seit Jahren dr\u00fccke ich mich davor fremde Menschen massieren zu m\u00fcssen. Ok, das wusste die bestimmt nicht, aber strange fand ich&#8217;s trotzdem. Sp\u00e4ter in der Probe wollte sie dann noch ihren Schal und jammerte \u00fcber den Schleim in ihrer Lunge. Nat\u00fcrlich schaffte sie&#8217;s nicht, mich nach dem Schal zu fragen, ohne mich anzufassen. Da ist mir klar geworden, dass ich kein Anfassmensch bin. Ich mag&#8217;s nicht, wenn Fremde mich grundlos anfassen, und wenn&#8217;s nur am Arm ist. Nachdem sie dann gl\u00fccklich war mit ihrem Schal, hat die n\u00e4chste Show angefangen. Sie st\u00f6hnte, st\u00fctzte den Kopf in die H\u00e4nde, lehnte sich im Stuhl zur\u00fcck und seufzte, sie sei ja so m\u00fcde. Dazu konnte ich gar nichts sagen. Bestimmt war sie nicht die ganze Woche um 6 Uhr aufgestanden (wie ich) und immerhin war sie schuld, dass wir vorher alle stehen mussten. Dabei ist an solchen Tagen meine Devise &#8222;Kr\u00e4fte sparen wann immer Du kannst&#8220; (das ist \u00fcbrigens aus <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Todesmarsch_(Stephen_King)\" target=\"_blank\">Todesmarsch<\/a>). Dann teilte sie uns noch mit, das h\u00e4tte heute keinen Wert mehr mit ihr, sie w\u00fcrde sich nur die Stimme kaputt machen. Die Frage, wie sie meint ein Konzert singen zu k\u00f6nnen, wenn ihr schon die Probe die Stimme zerst\u00f6rt, habe ich mir dann verkniffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt so Tage, da glaube ich, irgendjemand l\u00e4sst einen Haufen Idioten los, um mich zu nerven. So ein Tag war am Freitag. Nachdem es mit fr\u00fcher nach Hause gehen mal wieder nicht geklappt hat, sa\u00df ich in meinem \u00fcblichen Zug, der, wie immer, ordentlich voll war. Immerhin gab&#8217;s noch einen Sitzplatz f\u00fcr mich. 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