{"id":639,"date":"2008-07-29T10:59:29","date_gmt":"2008-07-29T08:59:29","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/?p=639"},"modified":"2008-07-31T09:01:56","modified_gmt":"2008-07-31T07:01:56","slug":"with-the-lights-out-its-less-dangerous","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/with-the-lights-out-its-less-dangerous\/","title":{"rendered":"With the lights out it&#8217;s less dangerous"},"content":{"rendered":"<p>Neulich war ich auf einer l\u00e4ngeren Autofahrt Beifahrer in einem Auto, in dem es au\u00dfer Radio nur ein Kassettenabspielger\u00e4t gab. Da der Fahrer sich nicht mit Radiomusik begn\u00fcgen wollte, hatten wir ein paar alte Kassetten dabei, die noch aus der Zeit stammten, als man sich Musik auf Kassetten \u00fcberspielt hat. Da war auch ein Nirvana-Kassette dabei, MTV unplugged in New York. Weltklasse. Die Musik kann ich mir auch jetzt immer noch anh\u00f6ren, obwohl sie schon so alt ist, dass sogar MTV noch ein Musiksender war. Erinnert ihr Euch? Da kam tats\u00e4chlich noch Musik und nicht irgendwelche &#8222;Wer ist hohler&#8220;-Dating-Shows aus Amerika oder die deutschen Remakes davon. Ich fing im Auto sogar an dr\u00fcber nachzudenken, ob ich mir die Unplugged-CD doch noch zulegen sollte (was mir nat\u00fcrlich erst jetzt beim Schreiben wieder eingefallen ist). Und dann habe daran gedacht, wie das damals war, als Nirvana gro\u00df und Kurt Cobain gerade tot war. Ich wei\u00df, dass mich sein Tod auch ber\u00fchrt hat. Mein Schwesterchen hatte sogar ihr ganzes Zimmer plakatiert. Und beim H\u00f6ren der Musik neulich, ist mir schlagartig klar geworden, warum gerade junge Leute damals so betroffen waren. Kurt Cobain hat quasi den Schmerz der Jugend verk\u00f6rpert. Als Kind glaubt man noch an das Gute auf der Welt, glaubt z.B., dass das mit dem W\u00e4hlen immer ganz einfach sei. Die CDU baut Fabriken und macht die Umwelt kaputt, die Gr\u00fcnen machen Fabriken kaputt und sch\u00fctzen die Umwelt, die SPD macht irgendwie beides. Also w\u00e4hlt man gr\u00fcn, weil man ja die gr\u00fcne Wiese hinter dem Haus behalten will und keine Fabrik im Vorgarten. Ja, so einfach haben wir uns das wirklich vorgestellt. Und je \u00e4lter man wird und je mehr man lernt, umso bewusster wird einem, dass es nicht nur schwarz und wei\u00df gibt, dass die Probleme der Welt nicht einfach gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, dass meistens, wenn man an einer Ecke was Gutes tun will, an anderer Ecke was in die Hose geht. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Kleidersammlung. Meine Eltern haben mir beigebracht alte Klamotten nicht in den M\u00fcll, sondern in den Kleidersack zu packen, damit arme Kinder in Afrika meine ausgewachsenen Hosen noch anziehen k\u00f6nnen. Ich fand die Vorstellung, dass sich da ein Kind noch dr\u00fcber freut, immer sehr nett. Nun ist es aber so, dass die kostenlose Kleidung aus der ersten Welt in manchen L\u00e4ndern der dritten Welt verhindert, dass sich eine eigene Textilindustrie entwickeln kann. Warum was selbst herstellen, was es umsonst gibt. Konsequent w\u00e4re es also, die Klamotten nicht mehr da hin zu schicken. Allerdings klebt mir dann das Bild von nackten Kindern im Hirn. Wie man sieht, alles nicht so einfach. Und so ist das mit allen Problemen der Welt. Wenn man sich dann in der fr\u00fchen Jugend langsam klar macht, dass es <strong>die<\/strong> L\u00f6sung nicht gibt, dann f\u00fchlt man sich macht- und hilflos. Man m\u00f6chte schreien, m\u00f6chte alles gut machen, wei\u00df aber nicht wie. Gleichzeitig fragt man sich, wie die restlichen Menschen einfach so vor sich hinleben k\u00f6nnen, wenn doch alles so grandios schief l\u00e4uft. Das ist der Schmerz der Jugend. Jeder der ihn sp\u00fcrt, wei\u00df wahrscheinlich was ich meine. Mein Vater hat ihn mit Sicherheit fr\u00fcher gesp\u00fcrt. Manchmal meine ich in seinem Blick zu sehen, wenn ich mich wieder hilflos aufrege, dass er seinen Schmerz in meinem wiedererkennt, aber die Erfahrung hat, zu wissen, dass sich mit der Zeit alles \u00e4ndert. Dass man sp\u00e4testens, wenn man beginnt seine eigene kleine Welt (Familie) zu bauen, der Schutz dieser wichtiger wird als der Schmerz der Welt. Und dass man mit der Zeit lernt, dass es immer irgendwie weitergeht, auch wenn man t\u00e4glich meint, die Welt st\u00fcnde am Abgrund.<br \/>\nGenau diesen Schmerz der Jugend muss auch Kurt Cobain gesp\u00fcrt haben und hat ihn mit seinem Auftreten, seinen Texten und seiner Musik nach au\u00dfen getragen. Die Jugend, also wir, hatten das Gef\u00fchl, da wei\u00df jemand, wie ich mich f\u00fchle! Und dann zu sehen, dass jemand an genau dem Schmerz, den wir alle f\u00fchlen, zerbricht, war das Tragische an seinem Tod. Er machte nicht &#8222;es geht schon irgendwie weiter&#8220; sondern &#8222;so geht es mit mir nicht weiter und die Welt wird sich nicht \u00e4ndern&#8220; zur Konsequenz. <\/p>\n<p>Der Titel des Posts ist \u00fcbrigens aus <em>Smells like Teen Spirit<\/em> (falls es irgendjemand nicht wissen sollte) und ich habe ihn deshalb gew\u00e4hlt, weil in <em>The Fantasy <\/em>von <em>30 Seconds to Mars<\/em> die Textstelle <em>With the lights out it&#8217;s little less dangerous<\/em> vorkommt, und ich mich schon lange frage, ob das mit Absicht die gleichen Worte sind. Irgendjemand Ahnung? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich war ich auf einer l\u00e4ngeren Autofahrt Beifahrer in einem Auto, in dem es au\u00dfer Radio nur ein Kassettenabspielger\u00e4t gab. Da der Fahrer sich nicht mit Radiomusik begn\u00fcgen wollte, hatten wir ein paar alte Kassetten dabei, die noch aus der Zeit stammten, als man sich Musik auf Kassetten \u00fcberspielt hat. 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