{"id":513,"date":"2008-04-10T09:05:00","date_gmt":"2008-04-10T07:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/die-faulen-studenten\/"},"modified":"2008-04-10T09:05:00","modified_gmt":"2008-04-10T07:05:00","slug":"die-faulen-studenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/die-faulen-studenten\/","title":{"rendered":"Die faulen Studenten"},"content":{"rendered":"<p>Unser neuer Mitarbeiter, der mit Uni-Betrieb und Studenten in seinem bisherigen Leben so viele Ber\u00fchrungspunkte hatte, wie ich mit Platinendesign (soll hei\u00dfen: gar keine!), fragte neulich beim Mittagessen, warum an der Uni denn so viel los sei, wo doch Ferien sind. Wir schauten ihn verst\u00e4ndnislos an, bis uns klar wurde, dass er davon wirklich keine Ahnung hat. Also haben wir in aufgekl\u00e4rt, dass es keine Ferien sind, sondern vorlesungsfreie Zeit und das es viele Gr\u00fcnde geben kann, warum Studenten da an der Uni rumh\u00e4ngen, z.B. Pr\u00fcfungen, Blockpraktika, Haus-, Studien- oder Diplomarbeiten. Er glaubte wirklich Studenten haben ein halbes Jahr frei. Wie halten sich diese Studentenmythen nur so hartn\u00e4ckig? Genauso wie das Bild des faulen Studenten, der ja immer bis mittags schl\u00e4ft. Dass der dann vielleicht bis morgens um f\u00fcnf gelernt hat, interessiert nicht, weil&#8217;s nicht in das gutb\u00fcrgerliche Bild passt. Dabei sind die Nachtstunden so besonders gut um konzentriert zu arbeiten. Drau\u00dfen ist es still und dunkel, das ganze Haus schl\u00e4ft (es sei denn, man wohnt im Wohnheim) und irgendwann nach 1 Uhr kommt man in einen Flow, wo die Worte direkt aus den Finger zu flie\u00dfen scheinen, wo physikalische Zusammenh\u00e4nge pl\u00f6tzlich in klarster einfachster Form auftauchen, wo die seltsamen Zahlen und Symbole auf dem Papier pl\u00f6tzlich einen Sinn ergeben und wo der Computer pl\u00f6tzlich die Sprache, in der man mit ihm kommuniziert, versteht und genau das tut was man will. Wenn man dann nach so einer Nacht schief angeschaut wird, weil man um 13 Uhr noch im Bett liegt, da kriegt man nicht zu Unrecht Aggressionen. <br \/>Allerdings will ich nicht behaupten, Studenten w\u00fcrden nicht auch \u00f6fters bis morgens feiern statt zu lernen. Als Student hat man den entscheidenden Vorteil gegen\u00fcber der arbeitenden Bev\u00f6lkerung, dass man seine Zeit frei einteilen kann. Wenn man bis nachts um f\u00fcnf feiern geht, muss man sich nur vor sich selbst rechtfertigen, wenn man morgens um acht nicht wieder in der Vorlesung sitzt. Allerdings muss man auch jede gefehlte Vorlesung f\u00fcr sich selbst irgendwann nachholen, denn die Pr\u00fcfung kommt bestimmt. Wenn man also eine zeitlang Parties den Vorlesungen vorzieht, so folgt unweigerlich eine Zeit, in der man dem Lernen alles unterordnet. <br \/>Aber so sch\u00f6n, wie es sich anh\u00f6rt, ist es in der Realit\u00e4t nicht. Beinahe jeder Student hat ja heutzutage, wo schon ein WG-Zimmer mehr als die H\u00e4lfte des Baf\u00f6g-H\u00f6chstsatzes verschlingt, einen Nebenjob. Bei mir gab es mehrere Semester, wo ich zus\u00e4tzlich zu den 30 SWS Vorlesung und \u00dcbung noch 10 Stunden die Woche gearbeitet habe. H\u00f6rt sich jetzt nicht so schlimm an, eine 40-Stunden-Woche. Allerdings hat man in den 30 SWS noch kein \u00dcbungsblatt gel\u00f6st, geschweige denn eine Vorlesung nachbearbeitet. Vorlesungen nachbearbeiten habe ich eh nie gemacht (wann auch), \u00dcbungsbl\u00e4tter hatte ich manchmal vier oder f\u00fcnf, die regelm\u00e4\u00dfig, alle ein bis zwei Wochen, abgegeben werden mussten. Wenn man pro \u00dcbungsblatt dann nochmal vier Stunden mit Kommilitonen zusammen rumr\u00e4tselt, dann bleibt am Ende nicht viel von der Woche \u00fcbrig. Am schlimmsten ist allerdings der Druck, dass man nie wirklich fertig ist, dass immernoch irgendwo was liegt, was man nicht machen konnte. Und da sind wir wieder bei den Ferien angekommen. Da sind dann die Pr\u00fcfungen und Geld verdienen sollte man ja auch noch, wenn man in der Zeit, die dann noch bleibt, gerne Urlaub machen will. Es gab Zeiten, da hatte ich eine Woche Urlaub im Jahr.<br \/>Wenn dann mal wieder jemand auf die faulen Studenten schimpft, dann frage ich immer, wer denn gerne so einen Job machen will. Gut und gerne 50 bis 60 Stunden Arbeit die Woche, eine Woche Urlaub im Jahr und das alles zu einer grandiosen Bezahlung von unter 1000 Euro netto im Monat. Achso ja, 1000 Euro im Jahr kostet der Spa\u00df ja jetzt auch noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser neuer Mitarbeiter, der mit Uni-Betrieb und Studenten in seinem bisherigen Leben so viele Ber\u00fchrungspunkte hatte, wie ich mit Platinendesign (soll hei\u00dfen: gar keine!), fragte neulich beim Mittagessen, warum an der Uni denn so viel los sei, wo doch Ferien sind. 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