{"id":470,"date":"2008-03-14T10:05:00","date_gmt":"2008-03-14T08:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/tage-wie-dieser\/"},"modified":"2008-03-14T10:05:00","modified_gmt":"2008-03-14T08:05:00","slug":"tage-wie-dieser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/tage-wie-dieser\/","title":{"rendered":"Tage wie dieser"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal gibt es solche Tage, an denen die pers\u00f6nliche Toleranzgrenze irgendwo auf H\u00f6he der Schuhsohlen liegt. Da geht einem einfach alles auf den Geist. So ein Tag war Mittwoch. M\u00fcde aufgestanden (obwohl am Abend vorher ungew\u00f6hnlich fr\u00fch auf dem Sofa eingeschlafen) und auf die ersten Idioten treffe ich gleich morgens im Zug. Statt sich hinzusetzen oder wenigstens einen Schritt zum Sitz rein zu machen, bleibt der Kerl, der vor mir eingestiegen ist, halb im Gang stehen um sich mit ausladenden Bewegungen seinen Mantel auszuziehen und trifft dabei mit seiner Hand nat\u00fcrlich mein Gesicht. Ein erstauntes &#8222;Oh, entschuldigung&#8220; und ein gebrummeltes &#8222;nix passiert&#8220;, dem in Gedanken ein &#8222;Depp, Du bist nicht allein auf der Welt!&#8220; hinzugef\u00fcgt wird, und ich darf endlich vorbei und mich hinsetzen. Da Pendlerz\u00fcge immer voll sind, kriege ich auch schon bald einen Nebensitzer, der mich beim Hinsetzen, Zurechtruckeln im Sitz, Jackeausziehn, im Rucksack kramen permanent leicht anrempelt. Ich \u00e4rgere mich, weil mich das Gerempel vom Schlafen abh\u00e4lt und frage mich, warum manche Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Platz, den ein Sitz im IC bietet, auszukommen. Ich kann da doch auch sitzen ohne st\u00e4ndig meinen Nebensitzer anzurempeln. Beim Aussteigen wirft er noch aus Versehen seinen Pulli von der Gep\u00e4ckablage auf mich runter. Irgendwann ist die Fahrt dann auch \u00fcberstanden und ich darf mich im B\u00fcro weiter\u00e4rgern. Wir haben da n\u00e4mlich einen neuen Kollegen, der immer wieder von seiner alten Firma erz\u00e4hlt. Die muss so toll gewesen sein, dass ich mich echt frage, warum er jetzt eigentlich bei uns ist. Egal welches Thema man anschneidet, nach sp\u00e4testens f\u00fcnf Minuten h\u00e4lt er einen Monolog \u00fcber die Software, die er in seiner alten Firma benutzt hat, \u00fcber die Qualit\u00e4t und den Preis des Mittagessens in seiner alten Kantine oder \u00fcber die Farbe der Eingangst\u00fcren. Inzwischen ist es bei mir soweit, dass ich auf die gute alte Technik zur\u00fcckgreife, die M\u00e4nner anwenden, wenn ihre Frauen nicht mehr aufh\u00f6ren wollen zu reden. Sobald ein Satz mit &#8222;Bei uns&#8220; anf\u00e4ngt, h\u00f6re ich nur noch angenehmes Rauschen und versuche an den passenden Stellen &#8222;echt?&#8220; oder &#8222;krass!&#8220; einzuwerfen. Ist es nicht seltsam, dass es Menschen gibt, die einem den Quellekatalog vorlesen k\u00f6nnten und man w\u00fcrde gebannt lauschen oder sich vor Lachen auf dem Boden rollen, und andere Menschen, einem selbst dann, wenn sie lustige Anekdoten erz\u00e4hlen, gerade mal ein m\u00fcdes L\u00e4cheln auf die Lippen locken k\u00f6nnen? Jedenfalls genau dieser neue Mitarbeiter kommt nach einem langen Arbeitstag in mein B\u00fcro um tsch\u00fc\u00df zu sagen. Ich wollte eigentlich nur noch schnell ne Bestellung fertig machen und dann auch gehen. Aber da f\u00e4ngt er auch schon an zu reden und h\u00e4lt mir einen zehnmin\u00fctigen Vortrag \u00fcber die EDV-Abteilung in seiner alten Firma. Ich sitz nur da und denke ich spinne. Meine Nettigkeiten f\u00fcr den Tag sind schon aufgebraucht und so schaffe ich nur noch gebrummelte &#8222;mhs&#8220; einzuwerfen. Er merkt aber nicht, dass es mich nicht interessiert und redet weiter. Das Ende vom Lied ist, dass ich jetzt wei\u00df, dass die EDV nur eine Treppe runterlaufen musste und trotzdem alles immer ewig gedauert hat, meine Bestellung aber immernoch hier liegt. Zum kr\u00f6nenden Abschluss ist die Zugfahrt dann ein einziges Deja-vu: beim einsteigen haut mir einer beim Mantelausziehen seine Hand ins Gesicht, mein Nebensitzer rempelt mich mehrmals an und wirft kurz vorm Aussteigen seinen Geldbeutel aus der Gep\u00e4ckablage auf mich. Noch dazu kommt, dass ein Handy eines Reisenden (Pendler wissen, dass man auf der Strecke sowieso nicht telefonieren kann) st\u00e4ndig klingelt. &#8222;Did\u00fcdid\u00fcd\u00fc&#8220;. Er geht ran und wir fahren in einen Tunnel. Wir fahren aus dem Tunnel raus und sein Handy d\u00fcdelt erneut. Er geht ran und wir fahren in einen Tunnel. Wir fahren aus dem Tunnel raus und schon wieder d\u00fcdelts. Das Handy ist ein Uralt-Nokia ohne polyphone Klingelt\u00f6ne, also ein richtig penetrantes Gepiepse. Das hat er auch noch auf saulaut gestellt. Ich sitze da und frage mich, warum er nicht mal auf die Idee kommt, die restlichen Passagiere im Wagen k\u00f6nnten sich gest\u00f6rt f\u00fchlen. Also mir w\u00e4r&#8217;s nach dem ersten Klingeln schon peinlich gewesen und ich h\u00e4tte den Ton ausgestellt. Und so komme ich dann total genervt nach Hause, dass mich D. gleich ins Schwimmbad schickt, weil mich Schwimmen entspannt. Erstaunlicherweise funktionierts, obwohl die <a href=\"http:\/\/pendelanne.blogspot.com\/2008\/03\/schwimmrger.html\">imwegrumschwimmende Altherrenriege<\/a> wieder da ist. Und so geht auch solch ein Tag zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal gibt es solche Tage, an denen die pers\u00f6nliche Toleranzgrenze irgendwo auf H\u00f6he der Schuhsohlen liegt. Da geht einem einfach alles auf den Geist. So ein Tag war Mittwoch. M\u00fcde aufgestanden (obwohl am Abend vorher ungew\u00f6hnlich fr\u00fch auf dem Sofa eingeschlafen) und auf die ersten Idioten treffe ich gleich morgens im Zug. 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