{"id":3573,"date":"2014-04-03T12:05:16","date_gmt":"2014-04-03T10:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/?p=3573"},"modified":"2014-04-03T12:05:16","modified_gmt":"2014-04-03T10:05:16","slug":"ich-bin-feministin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/ich-bin-feministin\/","title":{"rendered":"Ich bin Feministin"},"content":{"rendered":"<p>Das ist ja vielleicht nichts Neues, aber angesto\u00dfen durch eine <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gluecklichscheitern\/posts\/745653168812627\" target=\"_blank\">twitter-Frage von Gl\u00fccklich Scheitern<\/a>, hat sich auch schon <a href=\"http:\/\/www.mamamiez.de\/2014\/04\/02\/glueck-ist-geschlechtsneutral\/\" target=\"_blank\">Mama Miez<\/a> zu dem Thema ge\u00e4u\u00dfert und da wollte ich gerne auch meinen Senf dazu abgeben.<br \/>\nIch bin mit der Zeit Feministin geworden. Als ich noch zur Schule ging, war ich auch oft der Meinung, wir h\u00e4tten doch im Bezug auf Gleichberechtigung schon alles erreicht. Seit ich denken kann, war ich gleicherma\u00dfen mit Jungs und M\u00e4dels befreundet. Ich hab mit Puppen gespielt und fand Barbie doof. Ich kann mich nicht erinnern eine ausgepr\u00e4gte Rosaphase gehabt zu haben und zu Grundschulzeiten fand ich rosa v\u00f6llig inakzeptabel. Ich hatte lange Jahre meiner Kindheit kurze Haare. Das hei\u00dft, um den ganzen Jungs-M\u00e4dchen-Quatsch habe ich mich immer wenig gek\u00fcmmert. Deshalb hab ich mir auch nie viele Gedanken dar\u00fcber gemacht, dass ich gut in Mathe war und hab auch bei der Studienwahl nicht dr\u00fcber nachgedacht, ob da wohl andere Frauen in meinem Semester sein werden. Das soll aber nicht hei\u00dfen, dass ich nicht schon zu Schulzeiten damit konfrontiert wurde, dass das eben nicht in allen K\u00f6pfen so ist. Als ich in der zw\u00f6ften Klasse in allen sechs Matheklausuren 15 Punkte schrieb&#8216;, war das wohl so eine Sensation, dass sogar die 13er davon Wind bekamen. Einer von denen \u00e4u\u00dferte sich sehr ungl\u00e4ubig und meinte, ein M\u00e4dchen, dass so gut sei in Mathe, das k\u00f6nne er nicht glauben.<br \/>\nDas Grundstudium habe ich mit den Physikern absolviert. Der Frauenanteil lag bei 25 %. In den ersten Semestern wurden in den physikalischen F\u00e4chern spezielle Tutorien f\u00fcr Frauen angeboten. Bei uns hat das niemand wahr genommen und verstanden was das soll, habe ich damals auch nicht. Im Tutorium muss man an der Tafel Aufgaben vorrechnen. Es gibt wohl Frauen, die sich da weniger trauen, wenn M\u00e4nner anwesend sind.<br \/>\nIn meinem Hauptfach waren wir zu sechst, ich war die einzige Frau. Mir war das egal. Ich hatte auch hier noch nicht den Eindruck, dass man als Frau viel anders behandelt wird. Trotzdem kam es immer wieder vor, dass man Professoren erlebte, die sich in Pr\u00fcfungen Frauen gegen\u00fcber unm\u00f6glich verhielten oder das Praktikumsbetreuer v\u00f6llig von der Rolle waren, wenn man im Sommer bei \u00fcber 30 \u00b0C im kurzen Rock und Tr\u00e4gertop auftauchte.<br \/>\nIch hatte auch bei meiner Bewerbung nach dem Studium keine Probleme. Ein Gespr\u00e4ch und den Job hab ich immer noch. Zuerst arbeitete ich im Bauingenieurwesen, jetzt im Maschinenbau. Durch meine Teilnahme an einem Mentoring-Programm zur Frauenf\u00f6rderung als Mentee und in einem <a href=\"https:\/\/cybermentor.de\/\" target=\"_blank\">Online-Mentoring-Programm f\u00fcr Sch\u00fclerinnen<\/a> als Mentorin, habe ich gelernt, dass es erstaunlich viele M\u00e4dchen gibt, die sich nicht trauen sich in technischen Bereichen zu bewerben. Im Moment ist es in der Tat so, dass die Frauen, die sich in M\u00e4nnerdom\u00e4nen durchsetzen, vielleicht wenig Probleme mit Diskriminierung oder diesbez\u00fcglich ein dickes Fell hatten. Es ist aber sehr wichtig der kommenden Generation beizubringen, dass sie alles tun k\u00f6nnen, was sie wollen, unabh\u00e4ngig von ihrem Geschlecht. Deshalb st\u00f6re ich mich an geschlechterspezifischem Spielzeug, an M\u00e4dchen- und Jungsfarben und \u00fcberhaupt daran, dass es heute sogar Klebstoff und Badezusatz in rosa und blau f\u00fcr Prinzessinnen und Piraten gibt. Ich m\u00f6chte, dass Kinder lernen, dass es wichtig ist, klug und selbstbewusst zu sein, statt h\u00fcbsch oder stark.<br \/>\nDas hei\u00dft aber nicht, dass ich meinen S\u00f6hnen geschlechtsneutrales Spielzeug aufzwinge. Der Herr Gartenhein interessiert sich von kleinauf haupts\u00e4chlich f\u00fcr Autos. Niemand von uns hat ihm das vorgelebt, wir hatten lange Zeit nicht mal ein Auto. Trotzdem hat er mit etwa einem Jahr beim benachbarten Autohaus mit den Maseratis gekuschelt. Der Schl\u00f6kerich interessiert sich viel st\u00e4rker f\u00fcr Rollenspiele (z.B. Playmobil), f\u00fcr Babys (Puppen) und f\u00fcrs Kochen. Er ist sehr f\u00fcrsorglich, bringt einem Kissen und Decken, wenn man auf dem Sofa liegt. Kinder sind eben unterschiedlich. Ich erlaube ihnen sich mit den Dingen zu besch\u00e4ftigen, die sie interessieren, ganz egal, ob das &#8222;Jungs&#8220;- oder &#8222;M\u00e4dchenspiele&#8220; sind. Ich bin sehr froh, dass meine Kinder nicht die klassische Rollenverteilung kennen lernen, sondern sehen, dass der Papa einkauft, kocht und putzt, w\u00e4hrend die Mama arbeitet, Auto f\u00e4hrt und Fahrr\u00e4der repariert.<br \/>\nWir haben die umgekehrte Rollenverteilung nicht deshalb gew\u00e4hlt, weil ich ein besonderes Karrierebed\u00fcrfnis habe (obwohl ich schon immer gesagt habe, dass ich mal arbeiten will, auch wenn ich Kinder habe), sondern einfach aus dem Sachzwang heraus, dass ich der Hauptverdiener war und bin. Dazu kommt, dass ich eigentlich gerne zur Arbeit gehe und D. sehr dankbar bin, dass er mir meine Arbeit in der Form erm\u00f6glicht. Dadurch, dass er zuhause ist, was er \u00fcbrigens auch gerne macht, kann ich ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme an Fachtagungen teilnehmen oder auch mal im Au\u00dfendienst unterwegs sein. Mir ist aber durchaus bewusst, dass wir ein ungerechtes Modell nur umgekehrt leben. Dem Feminismus liegt daran, dieses ungerechte Modell zu verbessern. Warum muss jemand, der entscheidet ein paar Jahre bei seinen Kindern zu verbringen im Alter daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen, weil er zwar die Rentenzahler gro\u00dfgezogen hat, daf\u00fcr aber keinen Beitrag in die Rentenkasse gezahlt hat.<\/p>\n<p>In der Arbeitswelt ist die Gleichberechtigung leider noch nicht \u00fcberall angekommen und wer das denkt, ist naiv. Selbst der als ach so frauenfreundlich gepriesene \u00f6ffentliche Dienst, ist hier nicht besser. Da werden auch schon mal M\u00fctter aus technischen Bereichen in die Verwaltung versetzt, weil die besser teilzeitgeeignet sei. In der Wissenschaft werden Frauen immer dann vorgeschickt, wenn es gilt etwas zu pr\u00e4sentieren. Damit auch alle sehen, wie frauenfreundlich man ist. Am Ende sind es aber dann doch die m\u00e4nnlichen Kollegen, die die festen Stellen und die Professuren besetzen. Die fallen n\u00e4mlich beim Kinder kriegen in der Regel nicht aus. Selbst wenn man nur ein paar Monate aussetzt, verpasst man doch f\u00fcr mindestens ein Jahr alle relevanten Fachtagungen. Erst, weil man mit Stillkind nicht ohne Begleitung eine Tagung besuchen kann und die Reisekosten f\u00fcr eine Begleitperson privat bezahlen muss und sp\u00e4ter dann, weil man in den paar Monaten Pause keinen wissenschaftlichen Output erzeugt hat, der es wert w\u00e4re pr\u00e4sentiert zu werden.<br \/>\nIn der Industrie\/Wirtschaft ist das alles noch schwieriger. Frauen in F\u00fchrungspositionen verlieren ihre Position, sobald das erste Kind kommt. Bewirbt man sich mit Anfang drei\u00dfig kinderlos auf eine Stelle, wird man nicht eingestellt, da anzunehmen ist, man f\u00e4llt demn\u00e4chst schwanger aus. Bewirbt man sich mit Kindern auf eine Stelle, wird man aussortiert, weil man als Mutter nicht flexibel genug ist. Da in Vorstellungsgespr\u00e4chen solche Themen in der Regel ausgeklammert werden, kommt man noch nicht mal in die Position, sein Lebensmodell erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Meistens wird man einfach nicht mal eingeladen.<br \/>\nIn den m\u00e4nnerdominierten MINT-Bereichen werden Frauen <a href=\"http:\/\/www.sv-lex.de\/aktuelles\/nachrichten\/?user_aktuelles_pi1[aid]=290460&amp;cHash=c479b433c7c6e7e843f91e6de3b600d1\" target=\"_blank\">seltener eingestellt, auch bei nachgewiesener h\u00f6herer Qualifikation.<\/a> Nat\u00fcrlich gibt es hier auch andere Beispiele und Frauen, die es trotzdem geschafft haben, aber man sollte nicht die Minderheit als Normalit\u00e4t darstellen, wie es unsere Ex-Familienministerin Schr\u00f6der getan hat. Sie meinte z.B. eine Frauenquote w\u00e4re unn\u00f6tig, weil\u00a0 sie und ihre Freundinnen h\u00e4tten es ja auch alle so geschafft. Es geht aber nicht um die, die es so schaffen, sondern um die, die immer wieder daran scheitern, dass sie das falsche Geschlecht haben.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte auch sagen, mir geht es gut. Ich habe einen Job, der uns ern\u00e4hrt, der zwar befristet ist, die Vertr\u00e4ge aber immer verl\u00e4ngert werden. Trotzdem sehe ich aber, dass immernoch einiges schief l\u00e4uft bei der Gleichstellung von Frauen (und M\u00e4nnern) die Familienarbeit leisten. Ich f\u00fcrchte, dass die starke Abgrenzung von Jungs und M\u00e4dchen im Kindesalter, sich sp\u00e4ter negativ auswirkt. Wie soll man gleichberechtigt mit anderen Menschen zusammenarbeiten, wenn man zeitlebens gelernt hat, dass die anders sind als man selbst. Ich m\u00f6chte gerne, dass die Menschen als Menschen gesehen werden und nicht als Frauen und M\u00e4nner. Deshalb bin ich Feministin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ja vielleicht nichts Neues, aber angesto\u00dfen durch eine twitter-Frage von Gl\u00fccklich Scheitern, hat sich auch schon Mama Miez zu dem Thema ge\u00e4u\u00dfert und da wollte ich gerne auch meinen Senf dazu abgeben. Ich bin mit der Zeit Feministin geworden. 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