{"id":1872,"date":"2011-04-04T10:42:13","date_gmt":"2011-04-04T08:42:13","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/?p=1872"},"modified":"2011-04-04T10:42:13","modified_gmt":"2011-04-04T08:42:13","slug":"lebensentwurfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/lebensentwurfe\/","title":{"rendered":"Lebensentw\u00fcrfe"},"content":{"rendered":"<p>Eine sehr junge Kollegin zieht gerade von zuhause aus und mit ihrem Freund zusammen. Dreizimmerwohnung, Wohnzimmer, Schlafzimmer, B\u00fcro (so hei\u00dft hier in Schwaben das Arbeitszimmer. Die Betonung liegt \u00fcbrigens auf der ersten Silbe.). Ich frage immer mal wieder nach, wie der Umzug l\u00e4uft. Erst wurde die K\u00fcche geplant und bestellt. Nun warten sie noch auf das Sofa, das irgendwann in den n\u00e4chsten Wochen geliefert werden soll. Ich staune dar\u00fcber, wie unterschiedlich Leben verlaufen. Als ich so alt war wie die Kollegin, bin ich gerade aus meinem Zw\u00f6lfquadratmeterzimmer aus einer 7er-WG in ein gr\u00f6\u00dferes Zimmer in einer 3er-WG vom einen Ende ans andere Ende der Stadt gezogen. Ich hatte noch etwa drei Jahre Studium vor mir. Die meisten meiner Kommilitonen lebten in WGs oder Wohnheimen. Zusammenlebende P\u00e4rchen mit klassischer Wohnungaufteilung (Wohn-, Schlaf-, Arbeitszimmer) waren eher die Ausnahme. Dort haben wir dann mit leuchtenden Augen die IKEA-Selbsteinbauk\u00fcchen bestaunt, standen doch in den WG-K\u00fcchen meist irgendwo g\u00fcnstig aufgetriebene, zwanzig Jahre alte Elektroherde kombiniert mit Baumarkth\u00e4ngeschr\u00e4nken und -regalen oder selbst gebauten Provisorien aus M\u00f6belsch\u00e4tzen aus elterlichen Kellern. (Ich kann mich noch erinnern, wie wir zu dritt ganz versunken vor den versenkbaren, von innen beleuchteten Drehkn\u00f6pfen eines Herdes standen. Davon tr\u00e4umen Studenten: sich einen richtigen Herd leisten zu k\u00f6nnen.) Sp\u00fclmaschinen waren der absolute Luxus und der Traum jeder WG. Ebenso war es mit Waschmaschinen. Meine erste WG war ohne Waschmaschine, in der zweiten stand eine 30 Jahre alte Maschine, die irgendwann zu einem Wasserschaden im Laden untendrunter f\u00fchrte. Sp\u00e4ter hatten wir eine, an der die Temperatur mit der Zange einzustellen war und dann wieder eine vom Vormieter \u00fcbernommene, die irgendwann das Heizen aufgab. Neue Sofas gab es unter Studenten auch so gut wie nie. WGs mit Sofas in einem separaten Wohnzimmer waren sehr cool. Die Sofas waren meistens \u00fcber drei Ecken von der Oma eines Bekannten oder ganz einfach vom Sperrm\u00fcll organisiert. So sahen sie auch aus. Wie aus einem Omawohnzimmer. Und trotzdem unglaubliche Sch\u00e4tze f\u00fcr Studenten. Nie w\u00e4re eine WG auf die Idee gekommen eine Sofa im M\u00f6belhaus zu bestellen. Das h\u00f6chste der Gef\u00fchle war hier und da mal ein neues IKEA-Sofa.<\/p>\n<p>So unterschiedlich k\u00f6nnen Lebensentw\u00fcrfe sein. W\u00e4hrend man als Student h\u00f6chstens f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Jahre plant, plant meine Kollegin so jung schon f\u00fcrs Leben. Nun frage ich mich, ob meine junge Kollegin was vers\u00e4umt, weil sie nie arm und jung gewesen sein wird?\u00a0 Verpasst sie was, weil sie aus der elterlichen Wohnung direkt in eine eigene gutb\u00fcrgerliche Wohnung zieht, ohne den Umweg \u00fcber einzige Zimmer in ungeputzen WGs zu machen? Irgendwie glaube ich ja schon, obwohl sie es wohl nie vermissen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine sehr junge Kollegin zieht gerade von zuhause aus und mit ihrem Freund zusammen. Dreizimmerwohnung, Wohnzimmer, Schlafzimmer, B\u00fcro (so hei\u00dft hier in Schwaben das Arbeitszimmer. Die Betonung liegt \u00fcbrigens auf der ersten Silbe.). 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