{"id":1626,"date":"2010-11-22T10:02:20","date_gmt":"2010-11-22T09:02:20","guid":{"rendered":"http:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/?p=1626"},"modified":"2013-10-30T13:53:23","modified_gmt":"2013-10-30T12:53:23","slug":"antreten-zum-sch-wanzvergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alaskagirl.de\/wordpress\/antreten-zum-sch-wanzvergleich\/","title":{"rendered":"Antreten zum Schw*nzvergleich!"},"content":{"rendered":"<p>Am Wochenende hatte ich Grundschulklassentreffen. Zwanzig Jahre ist das her, dass wir mit unseren Empfehlungen auf die weiterf\u00fchrenden Schulen geschickt wurden. Vor ein paar Monaten hat jemand bei Facebook ein Klassenfoto aus der dritten Klasse eingestellt und alle drauf verlinkt. Pl\u00f6tzlich war man dann mit Leuten &#8222;befreundet&#8220;, die man seit ewigen Zeiten nicht gesehen hat. Wahrscheinlich kam dann deshalb die Idee auf, alle mal wieder zu treffen. Bei Facebook wurde es angek\u00fcndigt und sogar eine schriftliche Einladung landete in unserem Briefkasten. Ich habe ein bisschen hin und her \u00fcberlegt, ob ich da wirklich hin will. Die Leute, die nicht mit mir aufs Gymnasium gegangen waren und die nicht bei uns in der Stra\u00dfe wohnten, hatte ich tats\u00e4chlich seit 1990 nicht gesehen. Und nachdem zumindest eine der ehemaligen Klassenkameraden exzessiv Facebook Phrases (das ist das mit den Gl\u00fccksn\u00fcssen und so) nutzt oder italienische Schnulzensongs postet, wusste ich wirklich nicht, ob ich den Leuten \u00fcberhaupt was zu sagen habe (au\u00dfer ihnen die Nutzung von Facebook zu erkl\u00e4ren). Aber weil ich sowieso mal wieder nach Hause wollte, habe ich mich zum Treffen angemeldet. Die Frau aus L\u00f6 hatte auch vor zu kommen und so w\u00e4ren wir ja immerhin zu zweit, falls die anderen sich alle  als Schnarchnasen entpuppen. Und so habe ich am Samstag abend den Kleinen bei der Omi gelassen und bin ins Nachbarkaff gefahren. Ich wurde schon vor der T\u00fcr begr\u00fc\u00dft. Sogar unser Grunschullehrerehepaar war da. Eigentlich dachte ich, es w\u00fcrde schwer werden die Leute zu erkennen. War es aber nicht. Bei meiner Nebensitzerin musste ich kurz \u00fcberlegen, aber die war auch immer sehr still in der Schule. Mehr als ein Drittel, beinahe schon die H\u00e4lfte, der ehemaligen Klasse war da. Nat\u00fcrlich haupts\u00e4chlich die, die nach Haupt- oder Realschule eine Ausbildung gemacht haben und immernoch in der Gegend wohnen. Da sa\u00dfen wir dann also und es ging los. &#8222;Was machst Du jetzt?&#8220; in alle Richtungen. Meistens bewegt man sich ja doch zwischen Studierten, da war es interessant, andere Lebenswege kennen zu lernen. Und die waren zahlreich. Eine ist alleinerziehende Mutter, hat jetzt aber wieder einen Freund. Eine ist verheiratet mit Kind, hat seit der Ausbildung keine feste Arbeitsstelle gehabt und nach ihren eigenen Erz\u00e4hlungen einen Mann, \u00fcber den man bei Frauentausch herrlich den Kopf sch\u00fctteln k\u00f6nnte. Aber was soll man machen. Eine war unglaublich langweilig oder vielleicht auch nur einfach nicht smalltalkf\u00e4hig. Besonders interessant waren aber die Geschichten derer, denen man nichts zugetraut hat oder die nicht den geraden Weg gegangen sind. Da war zum Beispiel einer, der nach Rauswurf aus der Realschule und Hauptschulabschluss jetzt doch noch ein BWL-Studium macht. Am \u00fcberraschendsten war einer, der prinzipiell nie seine Hausaufgaben gemacht hat und den Gro\u00dfteil seiner Grundschulzeit vor der T\u00fcr verbracht hat. Das war einer von denen mit schlechten Bedingungen, schwierigen Verh\u00e4ltnissen und wenig Geld zuhause. Er hat zwar auf der Hauptschule genauso wenig Arbeitswille gezeigt wie auf der Grundschule, hinterher aber trotzdem eine Ausbildung gemacht und, wie es aussieht, hat er einen ganz guten Job. Vor allem aber macht er keinen dummen Eindruck. Die Frau aus L\u00f6 meinte zwar er w\u00e4re etwas prollig, aber nur ein bisschen.<br \/>\nDass ich promoviert bin, habe ich meistens nur am Rande erw\u00e4hnt. Ich hatte n\u00e4mlich keine Lust auf so einen Schw.anzvergleich \u00e0 la &#8222;Schaut her, was ich erreicht habe und seid neidisch!&#8220; Darum ging&#8217;s ja eigentlich nicht bei dem Treffen. Ganz davon abgesehen finde ich nicht, dass man auf ein Studium oder eine Promotion neidisch sein muss. Ich habe auch versucht, W\u00f6rter wie &#8222;Priorisierung&#8220;, &#8222;olfaktorisch&#8220; und &#8222;optional&#8220; durch andere zu ersetzen. Manchmal glaube ich n\u00e4mlich ich laber schon ziemlich intellektuell daher und ich wollte ja nicht so abgehoben wirken.<br \/>\nDie Gespr\u00e4che mit unsern Lehrern waren auch sch\u00f6n. Die konnten sich tats\u00e4chlich an alle Namen noch erinnern. Ich vermute ja, die haben vorher zuhause ge\u00fcbt. Wir haben ein paar alte Geschichten ausgekramt und viel gelacht. Schlie\u00dflich haben unsere Lehrer noch ein Geschenkchen \u00fcberreicht bekommen. Die Initiatorin des Klassentreffens hat das ganz sch\u00fcchtern \u00fcberreicht. Man hat ihr schon angemerkt, dass sie nicht besonders viel Erfahrung mit Pr\u00e4sentationen oder damit mal kurz im Mittelpunkt zu stehen hat.<br \/>\nGegen sp\u00e4ter haben wir die Location gewechselt. Es sind nicht mehr alle mitgekommen, aber da hatten wir dann auch Gelegenheit mit denen zu reden, die vorher immer am anderen Ende des Tisches sa\u00dfen. Es war wirklich lustig und es wurde auch tats\u00e4chlich sp\u00e4t. Ich war erst um viertel vor vier im Bett (ja, und das in DS!). Eine fragte mich, was meine Geschwister so machen. Als ich erz\u00e4hlt habe, wo die alle leben, meinte sie, sie h\u00e4tte ja ein langweiliges Leben. Da hab ich hinterher dr\u00fcber nachgedacht. Eigentlich glaube ich nicht, dass ein Leben interessanter wird, weil man in einer anderen Stadt lebt und die Familie verstreut ist \u00fcber Deutschland. Immerhin muss sie, wenn sie ihre Familie sehen will, nur aus der Haust\u00fcr raus und in die n\u00e4chste Haust\u00fcr rein. Ich muss mindestens zwei Stunden Zug fahren. Es hat also auch Vorteile ein &#8222;uninteressantes&#8220; Leben zu f\u00fchren.<br \/>\nDas Treffen hat sich wirklich gelohnt. Dadurch, dass wir uns so lange nicht gesehen hatten, gab es nicht diese Gr\u00fcppchenbildung, die man von Abitreffen kennt. Jeder hat mit jedem geredet und alle waren sehr offen. Wir konnten uns neu kennenlernen und trotz der langen Pause war immernoch eine Vertrautheit da. Nat\u00fcrlich haben auch einige gefehlt. Einige davon h\u00e4tte ich gerne dabei gehabt. Vielleicht ja dann beim n\u00e4chsten Treffen in 10 oder 20 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende hatte ich Grundschulklassentreffen. Zwanzig Jahre ist das her, dass wir mit unseren Empfehlungen auf die weiterf\u00fchrenden Schulen geschickt wurden. Vor ein paar Monaten hat jemand bei Facebook ein Klassenfoto aus der dritten Klasse eingestellt und alle drauf verlinkt. Pl\u00f6tzlich war man dann mit Leuten &#8222;befreundet&#8220;, die man seit ewigen Zeiten nicht gesehen hat. 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