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Ungebetene Kritik

Es ärgert mich, wenn mir Leute ungefragt ihre Meinung und Einschätzung zur Erziehung unseres Sohnes abgeben. Ein anderer Vater erklärte mir gestern, dass unser Sohn am frühen Abend auf dem Spielplatz deshalb soviel Energie hätte, weil er den ganzen Tag in der Wohnung säße. Ich habe ihm widersprochen und mitgeteilt, dass wir dem Wunsch unseres Sohnes raus (“graus”) zu gehen, in der Regel nachkommen, egal ob vor- oder nachmittags und auch bei Regen. Er meinte dann nur, dass er den Kleinen noch nie tagsüber auf dem Spielplatz gesehen hätte und hat sich dann umgedreht um sich mit zwei anderen Vätern auf russisch zu unterhalten. Als erstes ärgere ich mich natürlich, dass er sich anmaßt unseren Sohn auf Basis von zwei Stunden Spielplatzbeobachtungen zu beurteilen. Er kennt den Tagesablauf unseres Sohnes nicht, der vormittags ausgiebig seine verschiedenen Spielsachen bespielt, trommelt, Bücher liest und die Katzen ärgert bespaßt. In der Regel äußert er frühestens zur Mittagszeit, wenn auch langsam sein Mittagsschlaf ansteht, das Bedürfnis nach draußen zu gehen. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, liegt unser Stammspielplatz komplett in der Sonne.  An sonnigen Sommertagen ist es also schlicht nicht möglich, sich dort über mittag aufzuhalten. Und solange der Kleine dann auch mit zwei Schalen Wasser auf dem Balkon zufrieden ist, muss man keinen Sonnenstich riskieren. Andere Kinder trifft man dort um die Uhrzeit ohnehin nicht. Außerdem, und wer unseren Sohn besser kennt, wird das bestätigen können, kann der Kleine problemlos den ganzen Tag durch die Gegend rennen und trotzdem abends um acht noch keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigen.
Als nächstes frage ich mich dann, wie er vom anderen Ende des Wohngebietes aus sieht, wer sich wann auf dem Spielplatz aufhält. Oder beruht seine Einschätzung darauf, dass er nachmittags um drei (wenn der Kleine übrigens immer schläft) dort vorbeiläuft und uns nicht sieht. Ist das eine repräsentative Stichprobe an Beobachtungen, die er gesammelt hat? Wir haben von unserer Wohnung aus Spielplatzblick und können also sehen, dass er selbst mit seiner Tochter nie vor fünf auftaucht. Wieso kritisiert dieser Mann unseren Tagesablauf, der für unsere Familie ganz hervorragend funktioniert? Will er demonstrieren, dass er der bessere Papa ist, weil er “jeden Tag” mit seiner Tochter auf dem Spielplatz ist? Aber nicht falsch verstehen, er spielt da nicht mit seiner Tochter, er beaufsichtigt sie nur von Weitem. Da frag ich mich dann, warum er seine dreijährige Tochter nie mitbringt. Die war wirklich noch kein einziges Mal auf dem Spielplatz. Wenn man die große Tochter fragt, warum die kleine Schwester nie mitkommt, sind die Antworten immer im Stil von “Mama hatte keine Lust mitzukommen” und “Papa will sie nicht mitnehmen, weil die dann eh nur nervt und quengelt.” Ich vermute ja, dass es ihm mit einem Kleinkind zu anstrengend auf dem Spielplatz ist. Da muss man schließlich ständig aufpassen. Sein Argument wäre vermutlich, dass das Kind ja in den Kindergarten geht und deshalb keine weitere Beschäftigung mehr braucht am Tag. “Jeden Tag” habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil er natürlich nur bei gutem Wetter jeden Tag da ist. Bei Regen, Schnee und Wind sind wir in der Regel alleine auf dem Spielplatz. Ich möchte mal behaupten, dass wir zu den regelmäßigsten Spielplatzbesuchern gehören, was auch durch des Kleinen unglaubliche Sonnenbräune bestätigt wird. Die etwas älteren Jungs in unserem Wohngebiet, die teilweise auch noch nicht im Kindergarten sind, sieht man nur sehr sporadisch. Zwei Kinder, die letzten Sommer täglich mit ihrem Au-Pair auf dem Spielplatz waren, sind dort nicht mehr anzutreffen, seit das kleinere in den Kindergarten geht. Auch nicht am Wochenende. In unserem Haus wohnt ein kleines Mädchen, die war noch nie auf dem Spielplatz. Uns vorzuwerfen, wir würden zu wenig mit unserem Sohn rausgehen, ist wirklich völlig daneben. Zumal wir auch noch jeden Weg zum Einkaufen, in die Stadt, zum Flomarkt zu Fuß mit Kinderwagen gehen, was eine zusätzliche Ladung frischer Luft bedeutet.

Was will uns der gute Mann mit seiner Kritik also sagen. Ist es ein Versuch sich in ein besseres Licht zu rücken? Ist es eine Kritik an D., weil er unserem Sohn die Mittagssonne vorenthält? Ist es eine Kritik an mir, weil ich arbeiten gehe und das Kind bei meinem Mann lasse, statt es in die kompetenten Hände von Erzieherinnen zu geben (weil Männer ja nicht in der Lage sind ein Kind den ganzen Tag zu beschäftigen, oder wie)? Oder ist es der krampfhafte Versuch in unserer Familie irgendetwas zu finden, was falsch läuft, weil er neulich erfahren hat, dass unser Kleiner kein kleiner Vierjähriger, sondern ein großer Zweijähriger ist und ihm die Entwicklungsunterschiede seiner Tochter zu unserem Kleinen in einem anderen Licht erscheinen? D. vermutet das erste, ich tippe auf das letzte.

Badespaß

Im Moment ist Sommer. Obwohl Siebenschläfer schon vorbei ist, weiß man noch nicht, ob wir dieses Jahr ausnahmsweise mal wieder einen richtigen Sommer kriegen. Deshalb haben wir es gestern gewagt und sind ins Schwimmbad gegangen. Sollte es mit dem Sommer doch nichts werden, waren wir wenigstens einmal dort. Wir sind extra erst abends um sechs hingegangen, damit es nicht mehr ganz so voll ist. Und trotzdem waren da noch so viele Menschen, dass man sich gar nicht ausmalen mag, wie es da am Wochenende nachmittags zugeht. D., der große Menschenansammlungen hasst, hat mich schon vorm Reingehen flehend angeschaut. Aber das Argument, dass der Sommer heute vielleicht schon wieder vorbei ist, hat ihn sich überwinden lassen. Die Menschenmassen waren aber auch wirklich beeindruckend. Im Großraum Stuttgart gibt es wohl viel zu wenig Bademöglichkeiten. Letztes Jahr hatten wir ja schon ähnliche Erfahrungen am Badesee in Neckartailfingen gemacht. Dort wo ich aufgewachsen bin und auch in KA gibt es überall Badeseen, die die Freibäder merklich entlasten. Selbst in den heißesten Sommern habe ich noch nie so ein volles Schwimmbad erlebt.  Gestern zeigte das Thermometer 38°C an, da hält man es woanders als am Wasser kaum aus. Der Kleine war begeistert vom Schwimmbad und er hat auch immer weniger Angst vorm Wasser. Während er sich im Urlaub nur bis zur Brust in den Pool getraut hat, durfte das Wasser gestern schon bis zur Unterlippe reichen. Ich musste ihn sogar in den Strömungskanal halten, wo er gar nicht stehen kann. Wasser ins Gesicht, über den Kopf oder sogar den Kopf unter Wasser stört ihn nicht. Besonders begeistert war er von den Fußbecken. Da ist er ewig immer wieder reingesprungen. Aufs Fünfmeterbrett wollte er auch klettern, aber ich konnte ihn überzeugen, dass da keine Rutsche dran ist. Dafür hat er dann die Rutsche im Babybecken ausgiebig genutzt. Wir mussten ihm erst das Prinzip mit dem Anstehen erklären und dass man unten aus der Rutsche schnell wieder raus muss und dann hat’s ganz gut geklappt. Nur nicht mit den doofen anderen Kindern, die sich permanent vorgedrängelt haben. Einer davon sogar so wüst, dass unser Kleiner fast rückwärts die Treppe runtergefallen wäre. Wäre das ein anderes Kind gewesen, was nicht ganz so stabil steht und einen weniger guten Gleichgewichtssinn hat, hätte das böse enden können. Und dann grinst er noch blöd, also der andere Junge. Da fragt man sich doch, wo die Eltern dazu sind und warum sie ihrem Kind nicht beibringen, dass man wartet bis man an der Reihe ist und Rücksicht nimmt auf Kleinere. Und dann waren da noch die Kinder, die sich erst vordrängeln, um dann minutenlang auf der Rutsche rumzuturnen, weil sie zu zweit, rückwärts oder mit einer Luftmatratze runterwollen. Erst drängeln und dann alles aufhalten. Der Kleine hatte aber trotzdem Spaß und deshalb waren wir ja da. Falls der Sommer heiß werden sollte, brauchen wir vielleicht doch noch ein Planschbecken für den Balkon. Da kann der Kleine dann 1000 mal reinhopsen. Ein Pool im Garten wäre ja was, aber dafür bräuchten wir erstmal einen Garten. Mmmh, ich bin dann mal beim immobilienscout.

Lieber kleiner Mann

Gerade habe ich in der Sidebar das Lilypie-Widget geändert. Vorgestern bist Du nämlich zwei geworden. Dass Du schon ein richtig großer Junge bist, zeigst Du uns jeden Tag. Du kannst so schnell rennen, dass man sich schon anstrengen muss, Dich einzufangen. Du springst von Rutschen und Mauern, hopst wie ein Frosch durch die Wohnung oder auf dem Bett rum. Du wirfst Deine Bälle mit so einem harten Wurf, dass Du alle härteren Bälle nur draußen benutzen darfst. Wir sind auch sehr froh, dass die Phase, in der Du alle Bälle übers Balkongeländer geworfen hast, nur sehr kurz war. Fussballspielen kannst Du auch sehr gut. Du legst Dir den Ball zurecht, nimmst Anlauf und kickst wie ein Profi. Ins Bett und aus dem Bett klettern kannst Du schon länger. Sogar mit Schlafsack (seit Februar schläfst Du mit Bettdecke) hast Du das geschafft, obwohl wir die Schlupfsprossen im Bett nicht entfernt haben. Mit dem Sprechen bist Du noch recht sparsam, auch wenn es jetzt täglich mehr Wörter werden. Am häufigsten verwendest Du momentan “Da”. Je nach Betonung, bedeutet das zum Beispiel: “Schau mal, da oben sitzt ein Insekt an der Decke.” oder “Mein Schnuller ist aus dem Kinderwagen gefallen und liegt dahinten. Würde freundlicherweise jemand hingehen und ihn aufheben?” oder “Da oben ist die Dose mit den Gummibärchen und die will ich jetzt haben.” oder “Da ist beim Essen irgendwie Joghurt auf mein T-Shirt, den Tisch und den Fußboden gekommen. Kannst Du das bitte wegputzen?” Fragen beantwortest Du im Moment fast ausschließlich mit “Nein”, was aber nicht heißt, dass Du auch Nein meinst. Eine Ausnahme bildet die Frage ob Deine Windel voll sei. Da antwortest Du grundsätzlich “Nee”, nachdem Du mit der Hand die Windel angefasst hast. Du verstehst fast alles was wir sagen, aber oft ignorierst Du es. So kann man Dich dreimal dazu auffordern herzukommen, was Du einfach zu überhören scheinst, bis man hinzufügt “Ich hab Wurst!”. Dann bist Du schneller da, als man gucken kann. Du hast verstanden, dass man zum Rausgehen Hose, Socken und Schuhe braucht. Jacke, Socken und Hose ausziehen kannst Du zwar schon, aber Mützen sind das einzige, was Du auch alleine anziehen kannst. Du schaust Dir gerne Bücher an, auch wenn Dich die Geschichten darin wenig interessieren. Vorleseversuche scheitern meist daran, dass Du zu früh und zuviele Seiten auf einmal umblätterst. Oft willst Du auch gar nicht, dass man mit ins Buch schaut, sondern schaust alleine. Am liebsten auf Omis Schoß oder im Bett. Da schläfst Du dann mit Deinem Buch im Arm ein. Wenn Du nachst wach wirst, was zum Glück nicht so oft ist, darf man Dir auf keinen Fall das Buch wegnehmen, auch nicht wenn Du unbequem draufliegst. Du liebst Deine Autos. Ein neues Auto bringt regelmäßig Deine Augen zum Leuchten, aber auch Autos, die unterm Bett oder dem Regal verschollen waren. Echte Autos haben es Dir ebenfalls angetan. Ich werde nie vergessen, wie Du beim Meilenwerk Deine Hände und Deinen Kopf auf den Maserati gelegt hast und Dein Kuschel-”Oooohhh” gemacht hast. Kuscheln tust Du sowieso gerne. Mit Deinen Plüschtieren, mit den Katzen und mit uns. Wir hoffen, dass das noch eine ganze Weile so bleibt, auch wenn Du jetzt schon ein großer Junge bist.

U7-Gedanken

Bei uns steht ja demnächst auch die U7 an. Eigentlich die erste U, vor der ich mich frage, ob der Kleine auch alles kann, was er soll. Obwohl mir weder die Grob- noch die Feinmotorik Sorgen macht. Er rennt, hüpft, läuft vorwärts, rückwärts und auf Zehenspitzen, klettert, wirft seine Bälle ohne Probleme übers Balkongeländer, spielt Fussball, dass er Achtjährige ins Schwitzen bringt, baut hohe Bauklotz- und Legotürme, schraubt Zahnpasta auf und verteilt sie sich als Creme im Gesicht, macht alleine seine Schuhe auf, kann Mütze, Socken und Jacke alleine ausziehen, kriegt Reißverschlüsse auf und kann fachmännisch meinen Rubikswürfel zerlegen. Dafür hat er’s eben nicht so mit dem Reden. Er kann seine Körperteile benennen und auf Nachfrage zeigen, er reagiert auf Anweisungen wie “Setz Dich hin!”, “Warte kurz.”, “Mach die Tür wieder zu.”, “Geh zum Aufzug”, “Mach langsam”, aber beantwortet bisher selten Fragen (und grundsätzlich mit “nein”) und seinen Namen sagt er auch nicht. Zweiwortsätze … hm … zählt auch “Ich grai” (fragt mich bloß nicht, was das heißt)? Mehrzahl verwenden …puh… was ist denn die Mehrzahl von “Ma” (Banane)? Auch “Ma”? Dann ja.

Wenn man so durch die anderen Muttiblogs stöbert und liest, was deren Kleine schon alles erzählen, da kann man sich dann schon mal ein bisschen gruseln vor der U7. Und plötzlich kriegt man dann vor Augen gehalten, auf welch hohem Niveau man jammert. Gestern abend trafen wir eine der Spielplatzfreundinnen des Kleinen. Die geht schon in die erste Klasse. Gestern war sie mit Eltern und ihrer kleinen Schwester da. Die Kleine Schwester ist schon zwei, also etwas älter als unser Kleiner. Sie läuft fast nicht, obwohl der Vater mir versicherte, dass sie in der Wohnung besser und mehr läuft. Sprechen tut sie auch kaum. Da wurde mir klar, dass mein Bild der Bandbreite dessen, was Zweijährige können, verzerrt war. Unser Kleiner kann vielleicht nicht alles, aber er kann sehr viel und das gut. Also gibt es keinen Grund nervös zu sein vor der U7. Bemerkenswert war auch, dass die Erkenntnis “So können Zweijährige also auch sein” in meinem Gesicht vermutlich eben so deutlich abzulesen war, wie in den Gesichtern der Spielplatzfreundineltern.


Wo sie Recht hat, hat sie Recht, die Kleine. Eigentlich die einzig sinnvolle Antwort, auf die Frage, was man denn mal werden möchte, wenn man groß ist.

Unsere Nachbarn haben ein Baby. Ein noch ziemlich kleines. Neulich hat es im Hausflur geschrien. Unsere Katze, die sich sonst bei ungewohnten Geräuschen in der Nähe unserer Wohnung vorsichtshalber ins Regal hinter die Bücher flüchtet, hat sich knurrend vor unsere Wohnungstür gesetzt und blieb auch noch, lange nachdem das Baby nicht mehr zu hören war, in Lauerstellung sitzen. Jetzt wissen wir also, was die Katze antworten würde, wenn wir sie fragten, was sie von weiterem Familienzuwachs hielte. Sie würde antworten: “Noch so’n lautes, fellrupfendes, wüstes Ding? Ich glaub ihr spinnt!!!”

Wir waren am Wochenende im Zoo. Eigentlich hatte ich vor der Kombination schönes Wetter – Wochenende – Zoo – Kinderwagen immer ein bisschen Angst, aber es war tatsächlich gar nicht so schlimm. Gegen Mittag waren wir bei schönsten Frühlingswetter dort: ein Papa, drei Mamas, drei Kinder, drei Kinderwagen. Unser Kleiner war in der Straßenbahn eingeschlafen und war sehr überrascht nach dem Aufwachen Flamingos zu sehen. Da musste er gleich aussteigen und sich das genauer anschauen. Als nächstes ging es dann in die Vogelvolieren. Da war es zwischendurch etwas unübersichtlich, weil viele Leute mit Kinderwagen durch die Türen und Vorhänge wollten. Und unser Kleiner immer geradeaus den fremden Menschen hinterher. Wen interessieren schon Vögel, wenn es Vorhänge und Türen gibt. Und Vogelbäder. Da bin ich einmal mit Tür, Vorhang und Kinderwagen beschäftigt und versuche zwischen fremden Beinen meinen hellblaubejackten Sohn im Auge zu behalten, da steht er bis zu den Waden im Vogelbadetümpel. Zehn Minuten im Zoo und mein Sohn hat nasse Füße. Da ich ja eine Rabenmutter bin, habe ich kein zweites Paar Schuhe dabei. Lediglich eine zweite Strumpfhose hätte ich bieten können. Dann wäre allerdings mit rumlaufen für ihn Schluß gewesen. Aber es war ja einigermaßen warm und ich hab ihn mit den nassen Schuhen laufen lassen. Die Tiere haben ihn dann nur mäßig interressiert. Wer will schon Affen sehen, wenn man auch im Affenhaus die Rampe hoch und runter rennen kann. Und was ist spannend an Elefanten, wenn es Pfützen gibt. Und wer will Steinböcke anschauen, wenn es Treppen gibt. An den Betontreppen hat er sich dann gleich mal sein Kinn abgeschürft. Und das Blut kontinuierlich an seine Jacke geschmiert. Jetzt war er also nass und blutig. Und weil ich eine Rabenmutter bin, hatte ich weder Desinfektionsspray noch Pflaster dabei. (Und eine zweite Jacke sowieso nicht.) Dafür habe ich dann auch tadelnde Blicke von anderen (fremden) Müttern geerntet. Auch dafür, dass ich nicht immer sofort hinterher gestürmt bin, wenn der Kleine in eine andere Richtung wollte als ich. Dafür hat er aber sogar Kekse und Salzbrezeln bei Fremden abgestaubt. Weil ich ja eine Rabenmutter bin… achnee,stimmt gar nicht,  ich hatte sogar selbst Kekse und Apfel für ihn dabei. Aber das Essen von den anderen schmeckt bestimmt besser. Irgendwann war’s dann genug mit rumrennen. Also für mich. Deshalb hab ich ihn in den Wagen gesetzt und er hat auch nur ein bisschen protestiert. Für den Heimweg hat er dann die trockene Strumpfhose bekommen. Natürlich haben auch hier einige Leute komisch geschaut, dass mein Kind nur mit Strumpfhose und ohne Schuhe im Kinderwagen sitzt. Weil’s in der S-Bahn ja auch sooo kalt ist. Ein schöner Zoobesuch war das, auch wenn der Kleine die großen Katzen nicht streicheln konnte. Was er gerne getan hätte (“Tata, Tata!”).

Nach dem sonnigen Samstag kam dann ein grauer und kalter Sonntag. Wir haben versucht nach draußen zu gehen, aber nach 100 Metern haben wir wieder umgedreht. Bei uns weht immer ein ordentlicher Wind. Wenn der dann mit gefühlten -5°C weht und es dann auch noch anfängt zu nieseln, da sieht sogar unser Kleiner ein, dass man mit seinem Auto sowieso besser drinnen spielen kann. Und was war jetzt mit dem Apfeldieb? Der Apfeldieb ist unser Kleiner. Da hat er gerade einen wundervoll geschälten und geschnittenen Apfel serviert bekommen, und klaut sich dann meinen ungeschälten, ungeschnittenen, den ich nur essen wollte, weil mir beim Anblick seines Apfels (geschält und geschnitten) das Wasser im Munde zusammengelaufen war. Meinen Apfel habe ich dann netterweise wiederbekommen, als noch etwa ein Fünftel davon übrig war. Natürlich großzügig eingespeichelt. Lecker…

Immer wieder neues

Der Kleine kann jetzt Türen aufmachen. Und Licht anmachen. Und aus seinem Bett klettern. Das bedeutet, er steht jetzt alleine auf, wenn er wach ist. Ganz leise, so dass noch nicht mal das Babyphone anspringt. Da kann es dann schonmal passieren, dass man irgendwann wach wird, im Wohnzimmer Licht und Fernseher an ist und der Kleine sich da ganz brav alleine vergnügt. Oder er kommt einem im dunklen Flur entgegen, wenn man sich morgens aus dem Bett quält. Wir müssen jetzt nur immer aufpassen, dass die Wohnungstür abgeschlossen ist und abends keine halbausgetrunkenen kinderuntauglichen Getränke stehenbleiben.

Von Ratgebern

Lesen bildet, heißt es. Aber Lesen verunsichert auch. Ich habe neulich hier im Netz beim Stöbern was zu den Wachstumsschüben von Babys gelesen. Es gibt da wohl so ein Buch, in dem “Wachstumsschübe” zu verschiedenen Zeitpunkten beschrieben werden. Der letzte beim 17 Monate alten Kind. Wir sind da also schon komplett drüber weg. Tatsächlich sind diese Wachstumsschübe wohl Entwicklungsschübe. Die Kinder sind dann unruhig, wollen nicht essen oder schlafen schlecht. Und da gibt es tatsächlich Mütter, die sich an diesem Buch entlanghangeln und sich vor dem nächsten Schub fürchten. Also mein Kind hat jetzt alle diese Schübe mitgemacht und ich hab’s nicht mitgekriegt. Klar, war er manchmal quengelig und klar gab es Zeiten wo er schlecht schlief. Aber irgendwie habe ich mir jetzt keinen Kopf darüber gemacht und mich mit irgendwelchen Ratgeberbüchern rückversichert, dass das auch alles so richtig ist. Wenn er schlecht schläft, kann das natürlich an einem Entwicklungsschub liegen. Oder an einem neuen Zahn, einem querliegenden Pups, einer sich anbahnenden Erkältung oder einem schlechten Traum. Und wenn er nicht essen will, kann das auch an einem Entwicklungsschub liegen. Oder daran, dass er keinen Hunger hat, keinen Appetit auf das angebotene Essen oder schlicht keine Lust. Klar, manchmal googelt man was, aber diese Ratgeberbücher wie eine Bibel zu behandeln, ist mir fremd. Ich hab auch nicht viele davon gelesen. Wir haben Babyjahre, aber das ist auch schon alles. Am Anfang hatte ich mal Ambitionen das Buch ganz zu lesen, dann hab ich doch nur das gelesen, was mich betraf. Und jetzt seit einer ganzen Weile nichts mehr. Irgendwie ist das Ratgeber lesen doch ähnlich wie der Kindervergleich auf dem Spielplatz. Mein Kind kann mehr, als es können müsste und mehr als Deins sowieso. Das führt doch nur dazu, dass man auf Dinge wartet, bzw. Dinge von seinem Kind erwartet. Dabei lebt man mit der Einstellung “mein Kind kann, was es kann” viel besser. Unser Kleiner ist früh gelaufen. Manchmal kam mir der Gedanke, dass es doch furchtbar anstrengend sein muss, wenn ein Kind mit fast anderthalb noch nicht läuft. Und im Gegenzug habe ich mich dann immer gleich gefragt, ob Mütter mit spät laufenden und früh plappernden Kinder die Vorstellung anstrengend fänden, ein Kind zu haben, dass mit anderthalb nur drei Worte spricht. Vermutlich ist beides anstrengend. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben, bzw. ist es so gewohnt, wie es ist. Und solange man nicht das  Gefühl hat, mit dem Kind stimmt was nicht, bringt das ständige Lesen in Ratgebern nichts. Wobei vermutlich der Kinderarzt hier dem Ratgeberbuch vorzuziehen wäre. Aber zurück zu “mein Kind kann, was es kann”. Nicht, dass das hier jetzt missverstanden wird. Das heißt nicht, dass man sein Kind nicht fördern oder ermutigen sollte. Man soll ihm schon zeigen, wie man Legotürme baut oder den Brummkreisel dreht, aber man sollte nicht krampfhaft versuchen, dass Kind zum Türmchen bauen zu motivieren, nur weil die Lisa aus der Krabbelgruppe das schon so toll kann oder in einem schlauen Buch steht, dass es das nun können muss. Einfach anbieten und wenn es dann will, wird es schon machen.

Als Kinder waren wir manchmal nachmittags alleine zuhause. Da fanden wir es lustig Telefonstreiche zu machen. Wir haben einfach zufällig Nummer gewählt (manchmal haben wir die sogar ausgewürfelt), irgendwelchen Quatsch erzählt und wieder aufgelegt. Der Nachbarsjunge hat manchmal sogar längere Gespräche mit den Leuten geführt, Rollen gespielt und improvisiert. Und im Hintergrund immer eine Horde  gackernder Kinder. Wir hatten damals kein Telefon mit Lautsprecher. Ich weiß nicht mal, ob es das schon gab. So konnten die Zuschauer die Reaktionen der Angerufenen auch immer nur erahnen. Natürlich durften wir keine Telefonstreiche machen. Aber das war vor Rufnummerübermittlung, vor CLIP und vor Einzelverbindungsnachweisen. Wir waren also völlig auf der sicheren Seite. Die Kinder heutzutage haben es damit schon schwerer. Um Telefonstreiche zu machen, müssen sie erstmal lernen, wie man das Senden der Rufnummer unterdrückt. Als nächstes müssen sie wissen, wie man die Wahlwiederholungsliste löscht und dann noch hoffen, dass die Eltern den Einzelverbindungsnachweis nicht so genau anschauen.

Ähnlich wie Telefonstreiche sind ja Telefone in den Händen kleiner Kinder. Früher hatten die Telefone noch Wählscheiben. Für kleine Hände war es bestimmt schwieriger dort eine lange Nummer zu wählen, als es auf den heutigen Tastentelefonen ist. Klar haben kleine Kinder auch mal irgendwo angerufen, aber auch hier gab es keine Rufnummerübermittlung und keine Einzelverbindungsnachweise. Und das Kind hat bei Fremden angerufen. Bei den heutigen Telefonen und Handys ist man mit zwei Tastendrücken im Adressbuch und kann da jemand anrufen. Da ruft dann das Kind nicht morgens um sechs fremde Meschen an, was einem vielleicht kurz peinlich ist, sondern es ruft Menschen an, die man kennt. Freunde, die hinterher genau sehen können, wer einen um sechs Uhr aus dem Bett gescheucht hat. Unser Kleiner hat schon mehrmals die erste Nummer in meinen Adressbuch angerufen. Glücklicherweise noch nicht um sechs Uhr morgens, aber unglücklicherweise ist es eine Nummer im Ausland. Vorsichtshalber habe ich jetzt meine eigenen Nummer ganz vorne hin gespeichert, so dass er nun mit meiner Mailbox telefonieren kann (wovon er sehr begeistert ist). Und während ich mich noch fürchte, dass er doch wieder jemandem im Ausland anruft, fällt mir ein, dass er aufgrund seines Namens wohl auch mal an erster Stelle in den Adressbüchern seiner Freunde stehen wird. Dann wird er mal derjenige sein, der von den Kindern seiner Freunde angerufen wird. Und dann gleicht sich doch alles irgendwie wieder aus. Oder nicht?