Montag, 6. September, 2010

Versteckte Kritik

Eigentlich glaube ich schon, dass ich in der Lage bin Kritik auch anzunehmen. Besonders wenn Kritik begründet geäußert wird. Also z.B. “Ich hab gehört, dass das nicht so gut sein soll und zwar aus folgenden Gründen.” Dann kann ich mir die Gründe anhören und mir überlegen, ob das plausibel ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass es nicht so einfach ist, Kritik so zu äußern. Besonders nicht gegenüber jungen Eltern, die grundsätzlich meinen, die Weisheit für sich gepachtet zu haben. Ich kann aber nicht haben, wenn Kritik in der Form geäußert wird: “Es gibt Leute, die machen das anders, aber das muss eben jeder selbst wissen…”. Da kann ich dann nur sagen “Ja, das muss jeder selbst wissen. Und wir machen das eben so und ich glaube das ist auch gut so.”


von AnJu in Alltag, Kinder

Freitag, 13. August, 2010

Spielplatzgespräche

Wir haben hinter dem Haus einen kleine Spielplatz mit Sandkasten und Rutsche. Neulich haben der Kleine und ich dort eine Frau mit zwei Kindern getroffen. Ein kleines Mädchen, schätzungsweise drei Jahre, und ein kleiner Junge, acht oder neun Monate alt. Das Mädchen hatte kleines Sandspielzeug dabei, also sehr kleine Schaufeln und ein sehr kleines Sieb. Alles nur etwas größer als ein Löffel. Da der Kleine gerade fleißig übt das Essen selbst reinzulöffeln, hat er gleich das Sieb voll Sand geladen und ein bisschen Sand in den Mund genommen. Ich habe nicht angefangen hysterisch zu kreischen und zu schimpfen, sondern lediglich “Ihh” gesagt. Die Frau meinte daraufhin sie hätte noch nie eine Mutter gesehen, die da so ruhig bleibt. Nach einer Pause meinte sie dann, man solle den Kindern aber schon immer gleich zeigen, dass das “falsch” ist, sonst machen sie es ja immer weiter. Ich hab dann gemeint, dass er schon merken wird, dass Sand nicht schmeckt. Ich gehe ja nicht davon aus, dass ich im künftig Sandkuchen zum Geburtstag servieren soll. Ein großes Theater wegen ein paar Gramm gegessenem Sand fange ich bestimmt nicht an. Zumal es ihm ja gar nicht ums Sand essen, sondern ums Löffeln ging. Und Löffeln ist ja nun nichts falsches. Sie hat dann etwas später versöhnlich gefragt, ob ich da irgendwelche revolutionären Erziehungsmethoden anwende, sie könne ja schließlich auch noch was lernen. Dann hat sie das Thema gewechselt und wir haben über die Mietpreise in Deutschland und der Slowakei (da kommt sie her) geredet. Etwas später dann erwähnte sie, dass das kleine Mädchen mit einem Jahr bereits fünf Worte sagen konnte. Sie meinte, dass sie sich darum immer besonders gekümmert hätte, weil sie viel Wert darauf legt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass das schon wieder ein Vorwurf sein sollte, weil mein Sohn mit bereits 14 Monaten außer “da” und “ditte” nichts (zumindest nicht auf deutsch) sagt. Dann fragte sie, wann der Kleine denn sitzen konnte. Mit sieben Monaten konnte er das. Man konnte den Neid in ihrem Gesicht sehen und sofort hat sie den kleinen Junge versucht hinzusetzen. Aber er konnte es nicht. Ich fand das etwas seltsam. Wir sind ja nicht zum Kindervergleich angetreten. Ich hätte ihr ja was darüber erzählt wie Kinder sich entwickeln, aber ihr deutsch war nicht so gut und außerdem wollte ich ihr nicht reinreden. Soll sie eben machen wie sie denkt und ich mache wie ich denke. Dann sind sie gegangen und ich habe mich gefragt, in welcher Beziehung sie zu den Kindern steht. Die Mutter ist sie nicht, soviel konnte ich heraushören. Auch, dass sie da war, als das Mädchen klein war und jetzt wieder da ist. Wahrscheinlich ist sie das Kindermädchen. Vielleicht treffe ich sie ja mal wieder, dann frage ich nach.


von AnJu in Kinder

Dienstag, 29. Juni, 2010

Kinderkunst

Mit einem Kleinkind sollte man sich selbst morgens erst unmittelbar bevor man das Haus verlässt anziehen. Sonst entdeckt man regelmäßig im Büro kleine Kunstwerke auf der Kleidung. Heute haben wir Himbeerjoghurthandabdruck auf der Schulter des schwarzen T-Shirts. Auch sehr beliebt sind Bananenfingerschlieren auf der Hose. Und das wo ich immer schon aufpasse, dass er nicht meine frisch angezogenen Klamotten beschmiert. Nutzt irgendwie nix.


von AnJu in Alltag, Kinder

Sonntag, 13. Juni, 2010

1 Jahr

Jetzt ist der Kleine schon ein Jahr bei uns. Und er hat eine Menge in dem einen Jahr gelernt. Er kann laufen, laut lachen, wütend sein, Futterneid haben, mit seinem Finger auf Dinge zeigen, die er haben möchte, mit einem Finger auf schöne Sachen zeigen und dabei “däääh” sagen, Sachen durch die Gegend schmeißen, selbst seinen Schlafsack ausziehen, auf den Balkon klettern und wieder rein, aufs Bett und vom Bett krabbeln, mit dem Löffel ordentlich Sauerei machen, auf youtube Videos anschalten, die Firefox-Hilfe öffnen, Leberwurst und Frischkäse an der Scheibe verteilen, den Kater knuddeln bis er Angst bekommt (also der Kater), …

Achja, in unser Wohnung ist übrigens alles Spielzeug. Und die Sachen, die er nicht haben darf, die sind natürlich das gute Spielzeug. Und es ist unglaublich gemein, dass wir ihm nicht das Telefon zum rumwerfen geben und auch keine Batterien zum dran lutschen. Als Kleinkind hat man es eben nicht leicht.


von AnJu in Kinder, Leben

Montag, 31. Mai, 2010

Impfen

Wenn man mit seinem Kind zu den Vorsorgeuntersuchungen geht, wird ganz selbstverständlich auch geimpft. Ich finde das gut, da ich Impfen für vernünftig halte. Da wir jetzt ein paar Tage ein impfkrankes Kind zuhause hatten, habe ich ein bisschen im Internet gelesen. Das Internet ist nämlich nicht nur voll von P*rn* sondern auch gefüllt mit gut(gemeint)en Ratschlägen. Und so landete ich auf einer Seite über Impfschäden. Zuerst gruselte ich mich ein bisschen, weil ich nicht sicher war, ob ich lesen mochte, was da steht. Was es da dann aber zu lesen gab, hat mich ein bisschen wütend gemacht. Da waren mehrere Eltern die davon berichteten, dass ihre Kinder nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung mehrere Tage Fieber hatten, schlecht schliefen, obwohl sie vorher durchschliefen, quengelig waren, obwohl sonst glücklich, beim gerade erlernten Laufen öfter hinfielen und dass sie deshalb die zweite Impfung nicht machen werden. Dass es sich bei der MMR-Impfung um einen Lebendimpfstoff handelt und es deshalb zu einer abgeschwächten Infektion kommen kann, ist eigentlich bekannt oder sollte vom Kinderarzt mitgeteilt worden sein. Das heißt es ist nicht ungewöhnlich ein paar Tage ein krankes Kind zu haben. Dass ein krankes Kind schlechter schläft, mit Fieber öfter hinfällt als sonst und viel Körperkontakt möchte ist wohl ganz normal. Jeder der selbst schon mal Fieber hatte, weiß doch, dass man sich da fühlt, wie durch den Fleischwolf gedreht. Warum meinen diese Eltern aber, dass eine echte Maserninfektion diesen paar Tagen Fieber vorzuziehen ist? Wenn das Kind die Masern bekommt ist es mit Sicherheit länger als ein paar Tage krank und wird demzufolge auch länger quengelig sein. Immerhin bei 20 -30 % der Erkrankungen kommt es zu Begleiterscheinungen und Komplikationen. Sicherlich, es gibt auch Eltern, die sagen sie kennen die Risiken und möchten ihr Kind trotzdem nicht impfen lassen. Schließlich kann es auch bei einer Impfung Komplikationen geben. Bei einer guten Durchimpfung der Bevölkerung kann das Risiko einer Impfkomplikation sogar größer werden als die Risiken einer Erkrankung. Ist ja schön und gut, wenn sich Eltern im Wissen der Risiken für ihr eigenes Kind gegen eine Impfung entscheiden. Aber sind sie auch bereit das Risiko für fremde Kinder mit zu tragen? Was ist wenn ein Kind mit einer unerkannten Maserninfektion beim Kinderarzt einen Säugling ansteckt, der dann ein paar Jahre später an den Spätfolgen (SSPE) stirbt. Vielleicht hätten ja auch dessen Eltern die Entscheidung über eine Impfung gerne selbst gefällt.


von AnJu in Kinder