Freitag, 12. März, 2010

“Erzähl doch mal

was spannendes aus Deinem Leben.” Diesen Satz kriegt man manchmal auf Partys zu hören, wenn mal gerade der Gesprächsstoff ausgeht. Dann soll jeder was bemerkenswertes aus seinem Leben erzählen. Eigentlich finde ich sowas echt doof. Meistens erzähle ich dann ganz provokativ “Hey, einer meiner Ex-Freunde ist schwul.”  und warte auf die “soso, Du machst also Männer schwul”-Reaktionen. Dabei ist das alles nicht halb so spektakulär wie es klingt. Also erzähl ich jetzt mal wie das wirklich war. Wir waren damals in der achten Klasse, glaube ich zumindest. Er war in der Klassenstufe über uns und eigentlich fand ich ihn doof. Wer kommt schon in ner orangenen Fleece-Jacke zur Schule. Aber wie das ja oft so ist, fand ich ihn dann doch ganz nett als ich ihn besser kennenlernte. Und dann waren wir ungefähr drei Monate ein Paar. Ungefähr ein Jahr später dann noch mal für zwei Monate. Als ich dann in der elften Klasse war, fragten mich eines Tages die zwei Jungs, die hinter mir saßen und die als Sitzenbleiber eigentlich eine Klassenstufe höher gewesen wären, ob ich nicht mal mit dem besagten jungen Mann zusammen gewesen wäre. Wahrheitsgemäß bejahte ich das. Da kam dann gleich die nächste Frage: “Kann das sein, dass der schwul ist?!” Ohne groß nachzudenken und ohne böse Absicht, hab ich auch das bejaht. Also nicht, weil ich die Vermutung gehabt hätte, aber irgendwie hat das für mich Sinn gemacht. Erst viel später habe ich mir überlegt, dass ich da wohl besser meinen Mund gehalten hätte. Ich selbst fand da nichts schlimmes dabei, aber das haben an unserer Schule doch einige anders gesehen. Der Hintergrund war nämlich gewesen, dass er beim Knutschen mit einem Mann gesichtet worden war. Und um die Gerüchte zu bestätigen, haben sie einfach mal jemand auf seine Ex-Freundin angesetzt. Er hat mir hinterher mal erzählt, dass er denjenigen, der íhn damals beobachtet und den Tratsch in Gang gesetzt hatte, eigentlich zu seinen Freunden gezählt hatte. Jedenfalls war also die Gerüchteküche in Gang. Und weil’s dann sowieso langsam die Runde machte, hat er sich gegenüber immer mehr Leuten geoutet. Besonders lustig fand ich, als er es unserer Nachbarin, die er schon lange kannte, erzählte und die dann irgendwie rumgedruckst hat und es mir nicht sagen wollte. Dabei wusste ich es ja längst. Und was dann folgte, war eine wirklich schöne Zeit. Durch sein Outing hatten wir die Beziehung gefunden, die wir immer gesucht hatten. Plötzlich war alles, was vorher kompliziert war, ganz einfach. Tja, dann hat er Abi gemacht und dann war er weg. Er wollte schnell zuhause raus und nicht abhängig von seinem Vater sein, der mit der ganzen Situation nicht glücklich war. Und jetzt hab ich keine Ahnung wo er steckt. Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass es Personen gibt, die man im Internet einfach nicht findet. Und das war sie schon die ganze Geschichte. Nicht besonders spektakulär und “schwul gemacht” hab ich auch niemanden. Im Spaß hat er immer gesagt, ich war eben eine seiner Alibi-Freundinnen. Keine Ahnung ob da was dran ist.


von AnJu in Heimatgefühle

Sonntag, 7. März, 2010

Schwäbisches Jura

Hier kommt schon wieder eine Geschichte aus meiner Kindheit und schon wieder spielt der Frood dabei eine Rolle. In der dritten Klasse machten wir einen Klassenausflug ins Donautal. Was genau wir dort angeschaut haben, weiß ich nicht mehr. Aber es existiert ein Foto, wo wir in einem Höhleneingang auf dem Boden sitzen und im Dreck buddeln. Einer unsere Mitschüler hält stolz zwei weiße Steinbröckchen in die Kamera. Übringens wohnte der auch in unserer Straße, aber wir konnten ihn nie so richtig gut leiden. Er verbrachte seine Zeit damit, mit seinem Kaninchen und seinem Kettcar anzugeben. Der hellste war er auch nicht gerade. Bei einer ich-verkaufe-mein-Spielzeug-an-Nachbarskinder-Aktion hat der Frood ihm ein Spielzeugauto so lange für 40 Pfennig abgekauft und ihm für 50 Pfennig wieder verkauft, bis er es umsonst hatte. Aber zurück zum Klassenausflug. Wir saßen also im Höhleneingang und wühlten im Dreck. Der Hintergrund hierfür war, dass der Frood erzählt hatte, man könne hier “schwäbisches Jura” finden. Wir wussten zwar nicht, was das sein sollte, aber es hörte sich sehr wertvoll und selten an, also gruben wir fleißig nach weißen Steinen. Die hielten wir dann erwartungsvoll dem Frood unter die Nase, der dann entweder bestätigte, dass das “schwäbisches Jura” sei oder eben nicht. Was dieses mysteriöse “schwäbische Jura” gewesen sein soll, weiß ich nicht. Als Gesteinsbezeichnung ist mir das unbekannt. Die schwäbische Alb wird manchmal auch als schwäbisches Jura bezeichnet. Auch sind die Gesteine der schwäbischen Alb im Jura entstanden. Demnach wären alle weißen Steine (wahrscheinlich alles Kalk, davon gibt’s da eine Menge)  “schwäbisches Jura” gewesen. Nach welchen Kriterien der Frood das dann beurteilt hat oder ob er uns einfach gediegen verarscht hat, weiß ich nicht. Ich nehme ja stark letzteres an.


von AnJu in Heimatgefühle, Jung sein

Mittwoch, 24. Februar, 2010

Die Fasnet

Wir waren letzte Woche doch tatsächlich in Böbelfingen beim Fasnachtsumzug. Ich hatte mir seit 10 Jahren keinen Umzug angeschaut und D. seit 24 Jahren. Wenn man mit der schwäbisch-alemannischen Fasnacht aufgewachsen ist, dann kann man sich für den halbherzigen Versuch eines Umzugs in KA nicht wirklich begeistern. Deshalb hab ich mir das auch nie angetan. Jetzt mit Kind und mit der wagen Hoffnung, in Böbelfingen ist man schon nah genug dran am Fasnachtsgebiet, haben wir uns das Spektakel mal angesehen. Naja, was soll man sagen. Der Umzug war kurz und hatte mit dem, was ich von daheim gewohnt bin, doch eher wenig zu tun. Mir kam es vor, als wäre der Umzug dominiert von Hexengruppen. Die erste Gruppe hat zwar noch Bobons geworfen (ja, richtig gefährlich diese Hexen), die nachfolgenden Gruppen waren aber annehmbar wüst. Die hatten Stroh dabei, haben Mädels ihre Schuhbendel geklaut und die Beine mit Klebeband zusammengeklebt. Dann kamen ein paar Guggenmusikgruppen, der Fussballverein, ein paar Kinder, einer der OB-Kandidaten, die Brauerei und ein paar Fasnachtsgarden. Der Kleine hat sich das in seinem Kinderwagen mit todernstem Gesicht angeschaut (jaja, Fasnacht ist eine ernste Angelegenheit!). Immer wieder hat er Bonbons geschenkt bekommen und eine Hexe war so nett und hat ihm zwei Hände voll Konfetti in den Kinderwagen gepackt. Als wir dann den Kinderwagen vor dem Haus vom Konfetti befreit haben, hat der Kleine sich kaum noch gekriegt vor Lachen. Den Umzug fand er langweilig, aber Mama und Papa, die Konfetti entsorgen, sind zum kreischen komisch.

Nach dem Umzug ist bei mir aber der Wunsch hochgekommen, doch mal wieder “richtige” Fasnacht zu sehen. Früher, da waren die Fasnachtstage ja komplett durchgeplant. Mittwochs abends ging’s im Delta mit der Fasnachtsabifete los. Mit nur 2 bis 3 Stunden Schlaf ging’s dann in die Schule. Da war besondere Anwesenheitspflicht. Fehlen durfte man nur mit ärztlichem Attest. Da musste man dann zwei Stunden absitzen, ehe in der Aula die “tolle” Fasnachtsparty losging und die Narrenpolizei und befreite. Da war eigentlich auch Anwesenheitspflicht, aber außer den Unterstüflern hat sich da niemand dran gehalten. Man durfte das Schulgebäude nämlich verlassen, nur nicht seine Sachen mit raus nehmen. Da wir das aber wussten, hatten wir eben einfach keine Taschen dabei. Besonders lustig war es immer, wenn jemand, der das nicht kannte, neu in die Klasse kam. Ich erinnere mich, wie ein neuer Schüler uns nicht glauben wollte, dass wir verkleidet in die Schule kommen. Er dachte wir wollten ihn verarschen, dass er dann als einziger verkleidet da sitzt. Am Ende ist er gar nicht aufgetaucht. Seine Mutter hat ihn entschuldigt. Er hatte die Nacht kaum geschlafen, weil “die Idioten vom Musikverein schon morgens um fünf” durchs Dorf gezogen waren. Da konnten wir nur sagen: Willkommen bei der Fasnet, Junge.
Nachdem wir uns dann also von der Schulparty weggestohlen hatten, ging’s auf Tour durch die Banken und zur AOK. Da gab’s nämlich umsonst Sekt, Brezeln und Berliner. Da konnte man dann ein paar Stunden tot schlagen. Wir sind dann meistens noch mal kurz nach Hause gegangen, bevor wir um 14 Uhr beim Kinderumzug an der Straße standen. Da wurde dann wieder ordentlich gefeiert. Donnerstags abends war dann meistens nichts geplant. Der Hemdglonkerball war doch eher für die jungen Jugendlichen. Dafür ging’s dann am Freitag gleich mit dem Highlight weiter. Hexenumzug, Hexenfeuer und Hexenball. Der Hexenball war eine elitäre Angelegenheit. Aufgrund der vielen Hexengruppen vom Hexenumzug waren nur wenige Karten im freien Verkauf. Die wurden dann zwei Wochen vorher verkauft. Da standen wir dann zwei bis drei Stunden in der Kälte um hinterher glücklich unsere Eintrittskarten in den Händen zu halten. Und jedes Jahr wurde erneut gezittert, ob man auch Karten bekäme. Der Ball hat dann aber auch immer Spaß gemacht. Am nächsten Abend war dann Turnerball. Gleicher Ort und besseres Programm als beim Hexenball. Aber das Programm haben wir eh nie angeschaut. Am Sonntag war dann großer Umzug in unserem Kaff und am Abend im Nachbarkaff Turnerball. Am Montag waren wir meistens im Nachbarkaff beim Umzug und am Dienstag beim großen Umzug in Villingen. Den fand ich immer besonders schön und den will ich mir auch unbedingt mal wieder anschauen. Ja und dann ist es ja auch schon vorbei mit der Fasnacht. Mittwochs saßen wir mit dicken Ringen unter den Augen wieder in der Schule. Manchmal haben wirklich Lehrer versucht größere Mengen Hausaufgaben über “die Ferien” aufzugeben. Zugezogene natürlich! Zu den Pflichtveranstaltungen kamen nämlich noch unzählige Optionen. In Pfohren waren wir mal beim Zunftball und in Grüningen beim Hexenball. An eine Party im Spiegelsaal kann ich mich auch noch erinnern. Jedenfalls war immer viel zu tun und von Ferien konnte da keine Rede sein.

Als Fazit kann ich nur wieder mal betonen: Wer Fasching sagt, der hat noch nie Fasnet gefeiert!


von AnJu in Heimatgefühle, Jung sein

Dienstag, 23. Februar, 2010

Kinder, Kinder

Heute morgen musste ich aus irgendeinem Grund an die alten Kinderspiele denken, mit denen wir uns früher die Sommerabende vertrieben haben. Wir hatten ja das Glück mit einer Horde anderer Kinder aufzuwachsen. Besonders toll war es, wenn dann sogar “die Großen” mit uns gespielt haben. Deshalb waren wir auch manchmal gnädig und haben “die Kleinen” mal mitspielen lassen. Mit vielen Leuten haben sich immer diese Rennspiele angeboten, also “Kaiser welche Fahne weht heute?” oder “Fischer wie tief ist das Wasser?”. Davon gibt’s ja noch unzählige andere. Alle funktionieren eigentlich gleich. Einer steht der Gruppe Kinder in einigem Abstand gegenüber. Die brüllen dann eine Frage und der einzelne brüllt eine Antwort, die beinhaltet, wer unbeschadet auf die andere Seite laufen kann. Dann rennen alle los und der einzelne fängt sich Leute. Dazu gehört ja auch das Spiel “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?”. Der allseits bekannte Dialog vor dem Losrennen geht ja folgendermaßen: “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?”-”Niiiieeemand!”-”Und wenn er kommt?”-”Dann laufen wir!”. Komischerweise war bei uns die letzte Antwort immer “Dann kommt er halt.” Niemand außer uns kennt das so. Ob das wohl die intellektuelle Erziehung war, die uns schon damals darauf gebracht hat, dass man keineswegs vor einem schwarzen Mann davonlaufen muss?
Die Akademikereltern haben auch an anderen Stellen manchmal durchgeschienen. Bei einem Spiel wurde ein Kreidekreis auf die Straße gemalt und gleichmäßig aufgeteilt. Dann durfte sich jeder ein Land aussuchen, dass er spielen möchte. Der Frood, damals noch Grundschüler, hat sich die Färöer Inseln ausgesucht. Man kann ja vermuten, dass die ausgezeichneten Geographiekenntnisse zumindest teilweise in seinem Interesse für Fußball begründet waren.
Die Frau aus Lö hat sich aber auch mal mit besonderem Wissen hervorgetan. Irgendwie hatten wir Stadt, Land, Fluß zu so einem Laufspiel umgewandelt. So genau weiß ich nicht mehr wie das ging. Einer stand den anderen Gegenüber und brüllte z.B. “Ein Land mit S!”. Wenn dann jemand eins wusste, hat er das gepöbelt und dann sind beide losgerannt und einer sollte schneller als der andere sein. Die Frau aus Lö stand dann also da und murmelte “Südkorea”. Sie wollte nicht rennen, hat es also leise gesagt. Südkorea. In der Grundschule (ok, vielleicht war es auch schon in der 5. Klasse). Kein Wunder, dass sie inzwischen Frau Dr. ist. Das lustigste daran war aber, dass ihre kleine Schwester das Gemurmel hörte und dann aus vollsten Hals “Südkurier” schrie und losrannte. Der Südkurier, muss man dazu sagen, ist eine der Tageszeitungen in unserem Heimatort. Da war das Gelächter groß.

Einige Fragen stellen sich mir doch immer wieder. Spielt man eigentlich noch “Wir kommen aus dem Mohrenland (oder Morgenland?)”? Wir haben das sogar in der Schule mit unserer Lehrerin gespielt. Die Gruppe Kinder kommt zum König, der gegenüber steht, gehüpft und singt. Der Text ging so: “Wir kommen aus dem Mohrenland, die Sonne hat uns schwarz gebrannt. Wir sehen aus wie Mohren, haben sooooo lange Ohren.” Dann sagt der König irgendwas in der Art “Lumpengesindel seid ihr!” woraufhin sich die “Mohren” verbeugen und “Ehrliche Leute!” versichern. Dann führen sie ihm vor, was sie können und wenn er das Handwerk erraten hat, dann wird gerannt. Aber das ist ja sowas von politisch unkorrekt, das wird doch bestimmt nicht mehr gespielt, oder?
Eine weitere Frage, die ich bisher nicht lösen konnte, ist, warum haben wir den Ort, an dem man beim Fangen spielen sicher war, “Botte” genannt. Wo kommt das her und was bedeutet es?
Und was fanden wir eigentlich an “Fritzle du stinksch!” so lustig?


von AnJu in Heimatgefühle, Jung sein

Montag, 15. Februar, 2010

Lokalprominenz

Könnt mich immer noch wegschmeißen, wenn ich irgendwo lese, dass Marc Terenzi seit einiger Zeit in meiner Heimatstadt lebt. Erschreckend daran war allerdings, dass ich Weihnachten schon vier Tage zu Hause war, bis jemand mit die “Neuigkeit” erzählt hat. Da hat der Buschfunk auch schon mal besser funktioniert.


von AnJu in Heimatgefühle, Seltsames

Freitag, 14. März, 2008

Der Anner

Das habe ich eben beim Stefko gesehen und fand’s so schön, dass ich es Euch nicht vorenthalten wollte.

(AnnerLink)
Das war Badisch!


von AnJu in Heimatgefühle, das Netz

Freitag, 1. Februar, 2008

Fies geträumt

Heute Nacht hatte ich einen sehr seltsamen Traum. Ich war mit meinen ehemaligen Sponk!-leuten (so hieß unsere Schülerzeitung) in meiner Heimatstadt im Schlosspark. Wir saßen da an einer festlich gedeckten Tafel und plötzlich wurde ich einstimmig aus dem Sponk!-team geworfen, weil ich ja sowieso nie irgendwas gutes geschrieben hätte. Fies! Ob der Traum wohl irgendwas damit zu tun hatte, dass wir immer mal das restliche Geld vom Sponk!-Konto aufteilen wollten und die 309 DM noch immer bei mir sind? Wir hatten sogar schon einen Plan, wie das Geld aufgeteilt werden sollte unter den ganzen und halben Redakteuren. Aber jetzt steht’s ja hier: Liebe Mitsponks, das Geld ist weder vergessen noch veruntreut. Irgendwann kriegt ihr alle Eure Anteile.


von AnJu in Heimatgefühle, getroffen

Mittwoch, 9. Januar, 2008

Abi 99

Dieses Jahr vor Weihnachten hat sich mein Abijahrgang getroffen. Inoffizielle Abitreffen gab’s fast jedes Jahr und dreimal sind wir auch schon mit etwa 20 Leuten in eine Hütte in die Schweiz gefahren. Dieses Mal hatten sich aber zwei Mädels wirklich reingehängt und schließlich die Adressen aller knapp 100 Abi99er aufgetrieben. Zusagen gab’s einen Monat vor dem Treffen schon über 50.
Kurz nach sechs am 22.12. standen wir dann also vor der Tür der Kneipe, wo das Treffen stattfinden sollte und in der ich, trotz des spärlichen Kneipenangebots in DS, noch nie gewesen war. D. rauchte noch eine und ich machte mir Gedanken ob ich die Leute wohl noch erkenne nach 8 Jahren. Aber alle Bedenken waren unbegründet, alles genau die gleichen Nasen wie damals. Nur einer junger Mann machte mir Kopfzerbrechen. Hippe Brille und Frisur, rosa Polohemd, wer sollte das denn sein. Ob den wohl jemand mitgebracht hat? Aber plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das war der Bauerntrampel aus der Parallelklasse, der einer der fünf pubertierenden Jungs gewesen war, mit denen ich und ein Mädel, auf das sie alle scharf waren, unsere Religionsfreistunden in der neunten Klasse verbrachten. Erstmal ins Minimal und danach anzügliche Sprüche reißen, so sahen die Freistunden aus. Das der Bauerntrampel schon beim Abi nicht mehr der pubertierende Junge, sondern ganz nett war, wurde mir von verschiedener Seite versichert. Allerdings fällt es mir schwer das zu glauben.
Wir blieben erstmal neben der Garderobe stehen, da war das Gedränge nicht so groß. Ich stand ungläubig staunend da, nur fähig zu sagen: “Mich schickt’s voll!”. Alle die Leute plötzlich wieder in einem Raum zu sehen war wirklich seltsam. Und dann saßen, aßen und tranken wir. Zur Verwirrung hatten wir D. nicht direkt neben mir platziert, aber es sprach sich doch schnell rum, dass er zu mir gehört. Auf “Und was machst Du jetzt”-Smalltalk hatte ich nicht wirklich viel Lust. Die Kommunikation innerhalb unseres Jahrgangs funktioniert so gut, dass man bei den meisten ohnehin weiß, was sie gerade machen. Allerdings gab es zwei Leute, die ich wirklich seit dem Abi nicht mehr gesehen hatte, und mit denen ich gerne reden wollte. Einen davon, das Mondkalb, wie wir ihn früher mal nannten, hat D. sich schon beim Rauchen vor der Tür gekrallt. D. wusste, dass ich in den mal verliebt war (in der 7./ 8./9. Klasse insgesamt bestimmt fast ein Jahr lang) und mischte sich so ganz nebenbei in ein Gespräch über Fahrräder ein. Als dann alle vom Rauchen wieder rein kamen, standen die beiden noch immer vor der Tür, inzwischen beim Thema Kinder, wovon der Mondkalbjunge drei hat, angekommen. Wirklich seltsam die beiden zusammen zu sehen. Die sahen nicht aus, als kennen sie sich gerade mal zehn Minuten lang. Und während wir da dann noch standen, kam auch schon der zweite, mit dem ich gerne reden wollte. Der hatte nämlich sämtliche Erdkunde-LK Stunden dafür genutzt mich einer “Sardinien-ist-toll”-Gehirnwäsche zu unterziehen, die angeschlagen hat. Sardinien ist tatsächlich toll und diese Erkenntnis wollte ich ihm nicht vorenthalten. War auch genau sein Thema und wir bekamen einen erneuten “Sardinien-ist-toll”-Vortrag, als wären keine acht Jahre vergangen seit dem letzten. Schön :-)
Ich habe noch mit einigen anderen geredet an dem Abend, war überrascht, berührt, zurückversetzt und glücklich. Ich freue mich wirklich schon auf’s “10Jährige” nächstes Jahr. Die Party wurde irgendwann in DIE Szenekneipe (Kleinstadt eben) verlegt und gegen drei nahmen wir eine Mitfahrgelegenheit nach Hause wahr.
D. fragte hinterher, wer denn nun alles nicht da gewesen sei. Naja, etwa die Hälfte, aber die ganzen “coolen Leute” (Zitat einer Freundin meiner Schwester) waren da, gefehlt haben die, mit denen ich schon früher nicht wirklich was zu tun hatte.


von AnJu in Freunde, Heimatgefühle, Jung sein

Donnerstag, 6. Dezember, 2007

Deutschkurs

Da heute Nikolaus ist, dürfen alle Menschen, die nicht im Norden Badens leben, heute ein neues Wort lernen. Das Wort ist Dambedei. Dieses sehr seltsame und nur im Raum Karlsruhe verwendete Wort bezeichnet die wohl allen wohlbekannten Weckmänner oder Klausenmänner. Für alle, die das auch nicht kennen, sei erklärt, dass es sich dabei um Hefegebäck in Form eines Männchens handelt. Warum nun die Karlsruher dafür ein eigenes Wort haben, ist nicht so genau bekannt. Vier mögliche Erklärungen gibt es dafür. So könnte der Dambedei ein heidnischer Schutzgeist, Tampada, sein, der Haus und Hof beschützt. Allerdings könnte es auch aus dem französischen (ja, Frankreich ist hier ganz nah) kommen, und zwar von dame de dieu (Mutter Gottes) oder dam petit (kleiner Mann). Eine christliche Erklärung gibt es natürlich auch. So könnte Dambedei auch von ad honorem domini dei (zur Ehre Gottes des Herren) stammen, dass Priester früher sagten um Weihnachtsgebäck in Christkindform zu segnen. Vielleicht kommt es aber auch von Dambelhans (Trampel), was bedeutet, dass der Bäcker die Männchenform schlampig geformt hat. Sucht Eucht Eure Lieblingserklärung aus und probiert doch einfach mal in den nächsten Wochen beim Bäcker Eures Vertrauens einen Dambedei zu erstehen (in Karlsruhe natürlich witzlos).


von AnJu in Alltag, Heimatgefühle

Samstag, 1. Dezember, 2007


Gestern habe ich eine alte Schulfreundin M. getroffen. Sie war in Stuttgart um mit Verwandten ins Theater zu gehen und da haben wir für ein paar Stunden die Stuttgarter Innenstadt unsicher gemacht, auf der Suche nach Skaterschuhen. M. wollte unbedingt neue schwarze Schuhe, allerdings hatte ich keine Ahnung, wo in S Skaterläden zu finden sind. Sie konnte sich dunkel erinnern schon mal in einem gewesen zu sein, also haben wir in ein paar anderen Läden nachgefragt. Im ersten Laden hatte die Verkäuferin, die übrigens noch dazu sehr unfreundlich war, keine Ahnung. Im Karstadt-Sport gab uns ein Praktikant eine Wegbeschreibung zu irgendeinem Skaterladen, dessen Name er nicht wusste. In der Sportarena bekamen wir dann endlich eine brauchbare Auskunft. “Einfach hier gerade aus und da ist dann gleich der Titus.” Da das tatsächlich stimmte, konnten wir auch drüber hinwegsehen, dass der Verkäufer uns kurz gesiezt hatte, obwohl der etwa in unserem Alter war. 27 ist ein seltsames Alter. Immer wieder kommt es vor, dass man nicht weiß, ob man Gleichaltrige siezen oder duzen soll. Natürlich nicht in jeder Situation, aber hin und wieder schon. Wird das irgendwann besser. Ist man irgendwann so alt, dass man eben erst mal alle siezt?
Aber zurück zum Skaterladen. Es stellte sich heraus, dass der Titus-Shop genau der Laden war, denn M. schon kannte und den der Praktikant im Karstadt-Sport auch meinte. Gibt’s nur einen Skateshop in S? Immerhin gab’ tatsächlich schwarze Schuhe und schon die Verkäufer sind ein Grund immer wieder da hin zu gehen. Die fangen mit jedem ein nettes Gespräch an und mussten auch nicht, wie ich, über die Emo-Kids neben uns schmunzeln, die zu ihren engen Hosen gerade alle Vans anprobierten, die der Titus im Sortiment hatte. Würde ich mich auch so anziehen, wenn ich nochmal 16 wäre? M. war sogar so begeistert vom Personal, dass sie gleich für ihren nächsten Stuttgartbesuch die Adresse vom Titus-Shop geben lassen wollte. Bei der Gelegenheit haben wir dann erfahren, dass es Titus-Shops in Baden-Württemberg nur in Stuttgart, Karlsruhe, Sigmaringen und Villingen gibt. Ja, in Villingen. Wusste doch schon immer, dass der Schwarzwald-Baar-Kreis einfach nur cool ist!
Jedenfalls hatten wir Spaß in Stuttgart. M. musste noch Passfotos für ihren anstehenden USA-Aufenthalt machen und so haben wir auch ein Beweisfoto unseres Zusammentreffens in S gemacht. Danach gab’s chinesischen Essen aus Pappschachteln und ich habe tatsächlich in Stuttgart einen KSC-Adventskalender gekauft. Ich fand’s so krass, dass sie sowas verkaufen, dass ich nicht widerstehen konnte. In KA würde ich in keinem Laden irgendeinen Adventskalender kaufen, wenn der VfB-Adventskalender verkaufen würde. Aber die Stuttgarter sind da wohl nicht so.
Es war ein schöner Nachmittag. Immer wieder staune ich, wie einfach es ist, mit Freunden, die man nur selten sieht, direkt am letzten Punkt anzuknüpfen. Die Monate ohne Kontakt scheint es nicht zu geben, man hat sich immer etwas zu erzählen. Ich freu mich schon drauf an Weihnachten alle anderen auch wiederzusehen.


von AnJu in Alltag, Freunde, Heimatgefühle