Dienstag, 3. März, 2009
Ich habe mich dieses Wochenende weitergebildet. Ich bin nämlich Mentorin in einem Cybermentor-Programm für Mädchen, die sich für MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) interessieren. Dafür gab’s am Wochenende eine kostenlose Schulung. Meine Lust hinzufahren hielt sich Freitag abend zwar in Grenzen, es hat sich dann aber doch gelohnt. Erschreckend fand ich, als uns auf einer Folie eine Geschichte vorgestellt wurde:
Ein Vater und ein Sohn fahren gemeinsam mit ihrem Auto und haben einen schrecklichen Unfall. Der Vater ist sofort tot. Der Sohn wird in einem Krankenhaus sofort zum Operationssaal gebracht. Der Arzt untersucht den Jungen und meint, dass man für die Operation eine Koryphäe benötige.
Die Koryphäe kommt, schaut den jungen Mann auf dem Operationstisch an und meint: “Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn.”
Erschreckend daran ist, ist dass auch nach längerem Überlegen wohl nur 30 % der Leute drauf kommen, wie das möglich ist. Und selbst ich (und auch die anderen Schulungsteilnehmerinnen) reagierten beim ersten Durchlesen erst mal mit “Hä?”. Das “Achso, klar.” kam zwar relativ schnell, aber hätte es bei uns Frauen in männerdominierten Berufen nicht sofort klar sein müssen?
Die Kursleiterin beruhigte uns aber und meinte, dass selbst gestandene Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit Genderforschung beschäftigen, bei solchen Tests immer wieder auf die Stereotypen hereinfallen.
Auch sonst gab’s einiges zu erfahren über Jungs und Mädels, Schulpädagogik und Internetsprache. Schließlich hängen nicht alle so viel im Netz rum wie ich. So hatten auch einige andere wirklich Probleme dabei, Fragen zu irgendwelchen gängigen Abkürzungen und Emitocons zu beantworten. Was das ganze bringt, weiß ich nicht. Es soll dazu beitragen, dass die Mädchen nicht das Interesse an den MINT-Fächern verlieren. Von vornherein sind Mädchen nämlich nicht weniger technikinteressiert als Jungs. Irgendwann in der Pubertät hören sie dann auf sich dafür zu interessieren. Ob da so ein Mentoring-Programm tatsächlich hilft, weiß ich nicht. Ich denke da melden sich sowieso nur die Mädels an, die ohnehin ein Studium in der Richtung begonnen hätten. Außerdem sollten wir auch einen Fragebogen ausfüllen, wie das denn bei uns damals war. Erstaunlicherweise haben sich fast alle der Schulungsteilnehmerinnen in ihrer Freizeit wenig mit MINT-Themen beschäftigt und hinterher doch ein technisches Studium begonnen. Ich glaube ich hätte mich nicht mal für so ein Mentoring-Programm angemeldet. Ich kann nämlich nicht behaupten, dass ich mich mehr für solche Fächer interessiert habe. Die sind mir nur einfach leichter gefallen.
Naja, ich bin gespannt was dabei rauskommt.
Dienstag, 9. Oktober, 2007
Bei uns hat der Fachausschuß getagt. Wie das bei den Ingenieuren so üblich ist waren nur Männer anwesend. Normalerweise fällt mir das nicht mal mehr auf, nachdem ich schon ein männerdominiertes Fach studiert habe und es in Fachgesprächen nichts unwichtigeres gibt. Gestern allerdings schaffte es einer der anwesenden mich darauf aufmerksam zu machen:
Unsere Hiwine war gerade auf dem Weg von unserem Gebäude ins Hauptgebäude, wo die Sitzung stattfinden sollte. Vor dem Gebäude traf sie einen verlorenen Ingenieur, der sich freundlich erkundigte, wo er hin müsste. Unsere Hiwine, nett wie immer, stellte sich als zuständig vor und bot ihm an ihn zu den anderen zu führen. Da wollte der nette junge Mann der netten Jungen Dame mal eben ein nettes Kompliment machen. Was dabei herauskam war folgendes: “Normalerweise arbeiten auf diesem Fachgebiet nur hässliche Frauen. Eben war ich erst in M. und auch da gab’s nur hässliche.” Noch nie wurde soviel Verachtung für Frauen in den Ingenieurwissenschaften in ein Kompliment verpackt. Unsere Hiwine, zwar fassungslos aber weiterhin ganz freundlich, verkniff sich eine Antwort über sein Aussehen (Na, du siehst ja auch nicht grade aus wie Brad Pitt! wäre meine Wahl gewesen) und berichtet ihm stattdessen von unserem hohen Frauenanteil und unserem fabelhaften Aussehen. Zum Dank für das Geleit und vielleicht auch um gleich mal die Hierarchiefrage zu klären, duzte er sie dann ganz frech, während sie ihn weiter siezte. Was ein Sprallo. Aber wer hätte’s gedacht, ein pinkes Hemd hatte er an. Fand sich unglaublich toll. Bei mir war er leider untendurch. Den kann ich nicht mehr Ernst nehmen. An meinem Poster wollte er mir noch ein paar wisschenschaftliche Tipps geben, aber alles was ich mir wirklich zu Herzen genommen habe war, dass ich nicht alles glauben soll, was mir jemand erzählt. Da habe ich gleich mal bei ihm angefangen
Aber er war nicht der einzige Sprallo der Sitzung obwohl der zweite es nun wirklich nicht mit ihm aufnehmen konnte. Der war nämlich nur ein älterer Herr, der sich selbst so toll fand, dass er als einziger nicht mit Hemd und Krawatte dasaß. Wenn er etwas gesagt hat, was oft der Fall war, hat er die Arme vor der Brust verschränkt, und selbstgefällig in die Runde geschaut, immer mit dem Ansatz eines Grinsens auf dem Gesicht. Genauso einer wie mein Lieblingsidiot aus dem Chor.
Glücklicherweise waren alle anderen Anwesenden wirklich nett. Das macht Hoffnung.