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Sexistische Spielzeugwerbung

Es gibt einen nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen. MINT bedeutet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik. Im Rahmen dieses Paktes gibt es verschiedene Projekte, deren Ziel es ist, mehr Frauen für technische Berufe zu beigeistern, was aus verschiedenen Gründen politisch und gesellschaftlich gewollt ist. Der jährlich stattfindende Girls Day ist so eine Maßnahme. Ein wichtiger Punkt ist immer die Schaffung neuer Rollenbilder, die sich von den klassischen Rollenbilder unterscheiden. So sollen Mädchen schon früh lernen, dass auch Mädchen Mathe mögen und Ingenieurinnen werden können. Eigentlich wäre es wünschenswert, diese klassischen Rollenbilder den Kindern, z.B. durch Werbung, gar nicht erst einzutrichtern.

Negativ aufgefallen ist uns nun die Werbung und auch die Homepage der Firma Mytoys. Hier wird Spielzeug in Jungenspielzeug und Mädchenspielzeug unterteilt. Beim Durchklicken durch die “Mädchenwelten” findet man unter anderem die Kategorie “Ich wäre gerne…” Zur Auswahl stehen: Arzt, Friseurin, Küchen Chef, Prinzessin, Puppenmutti, Verkäuferin. Warum bei einigen Berufen die männliche, bei anderen die weibliche Form verwendet wird, weiß ich nicht. Zu kaufen gibt es alles passende Zubehör. Als Puppenmutti braucht mal unbedingt auch Staubsauger, Putzubehör, Toaster, Kaffemaschine, Bügeleisen und Handrührgerät, da Mutti sein mit Hausfrau sein identisch zu sein scheint. Außerdem gibt es noch Putztrolleys, weil Putzfrau wohl der einzige Beruf ist, dem eine Mutti nachgehen kann. Nein, man kann ja auch noch Verkäuferin im Supermarkt werden. Dafür kann man sich dann eine Registrierkasse kaufen. Erstaunlich an diesen ganzen Angeboten ist nicht nur, dass hier handwerkliche Berufe oder naturwissenschaftliches Spielzeug komplett ausgeklammert wird, sondern auch, dass es eine vergleichbare Kategorie bei den “Jungswelten” nicht gibt. Mädchen haben also die Auswahl zwischen sechs verschiedenen Berufen (obwohl ich hier noch die Sekretärin vermisse), während Jungs die Welt offen steht. Vielleicht gibt es auch kleine Jungs, die gerne mit Küchen spielen und die sich von rosa Werbeseiten abschrecken lassen. Und vielleicht gibt es auch Mädchen, die Werkbänke mögen, Handwerker werden möchten oder auf Agenten und Spione stehen. Ganz sicher gibt es die! Aber welcher Junge wird sich die mit “Mädchenspielzeug” betitelten Artikel zu Weihnachten wünschen wollen?

Der deutsche Werberat hat folgendes in seinen Grundsätzen stehen:

Vor allem dürfen keine Aussagen oder Darstellungen verwendet werden,

  • die Personen wegen ihres Geschlechts, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer politischen Anschauung, ihres Alters oder ihres Aussehens diskriminieren

Unsere Meinung, dass es diskriminierend ist, dass nur Mädchen Verkäuferinnen sein sollen, teilte der Werberat allerdings leider nicht. Die finden es ok, dass Supermarktkassen Mädchenspielzeug sind. Ihr könnt mich gerne für eine Kampfemanze halten oder das für überzogen halten, aber ich finde Werbung für Kinderspielzeug sollte geschlechtsneutral gehalten sein. Jeder sollte nach seinen Interessen und nicht nach seinem Geschlecht auswählen können. Und auch wenn das alles nur Kleinigkeiten sind, die Kleinigkeiten sind es, die das große Ganze machen!

Es sind die kleinen Dinge

Hier gibt es einen interessanten Artikel, der vorschlägt, das nächste Mal, wenn man einem kleinen Mädchen begegnet, dem Impuls zu widerstehen, das Mädchen für sein Aussehen zu loben. Das tun nämlich die meisten und es führt am Ende dazu, dass Mädchen früh lernen, dass das Aussehen das Wichtigste ist. Fragt sie lieber, was sie gerne macht, lobt sie für etwas, was sie kann, nicht für ihr Aussehen. Alle Ungleichbehandlung von Männern und Frauen, die ja nun politisch an unterschiedlichen Stellen diskutiert wird, kommt auch durch die frühe Prägung von Rollenbildern zustande. Also, hört einfach auf damit, die Mädchen (die Jungs natürlich auch) für rollenkonformes Verhalten zu loben!

Für meinen Stay-at-home Dad

Habe eben diese tolle Video im Genderblog gefunden. “I’m a stay-at-home Dad, it’s a full-time job!” Auf jeden Fall!

Frauen sind das Mittel gegen den Fachkräftemangel und so steht die Frauenförderung hoch im Kurs. Gleichzeitig sollen die Frauen auch mehr Kinder bekommen. Dafür gibt es ja das Elterngeld. Darüberhinaus wird auch hier viel gefördert. Was nutzt das alles? Im Moment bewege ich mich in der Wissenschaft, wo es heißt, dass man es als Frau mit Kind leichter hat als in der freien Wirtschaft. Wenn ich mir nun konkret die Angebote anschaue, so empfinde ich sie zwar als gut gemeint, aber irgendwie auch als halbherzig. Es gibt Unterstützung bei Kinderbetreuungskosten oder finanzielle Hilfen beim Wiedereinstieg. Das ist schön und auch wichtig, aber niemand gibt einem denn die verlorene Zeit zurück, die einem hinterher zum Verhängnis wird. Es gibt ja zum Beispiel dieses Emmy-Noether-Programm zur Förderung von Nachwuchsgruppenleitern. Das Programm ist vom Förderumfang sehr gut und die Stipendiaten haben einen guten Ruf. Die Bewerbungskriterien sind folgende: Förderbeginn spätestens vier Jahre nach der Promotion, mindestens zwei Jahre Postdoc-Erfahrung, mindestens 12 Monate Forschung im Ausland und eine insgesamt zügig abgeschlossene Ausbildung. An welcher Stelle soll man nun noch ein Kind bekommen? Kriegt man das Kind vor der Promotion, ist die zügige Ausbildung evtl. nicht mehr gewährleistet. Kriegt man das Kind nach der Promotion, sind vier Jahre für Kind, Auslandsaufenthalt und Forschungserfahrung ziemlich knapp, selbst wenn man nicht lange zuhause bleibt. Was nützt einem hier die finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung? Ein weiteres Beispiel ist das “Dranbleiben”. Immer wieder hört man, dass man in der Elternzeit auch ja weiter dran bleiben soll an der Forschung. Allerdings ist dranbleiben nicht allein, dass man hier und da mal einen Artikel liest oder veröffentlicht. Man muss auch präsent sein bei den wichtigen Tagungen und Konferenzen. Hier fehlt allerdings die finanzielle Unterstützung für die Teilnahme an Fachtagungen während der Elternzeit. (Ich vermute ja auch, dass das der Grund für das schlechtere Networking der Frauen ist, was am Ende dazu führt, dass Frauen in Führungspositionen fehlen. Während die Männer sich auf den Konferenzen rumtreiben, sitzen die Frauen zuhause und stillen). Und bei sehr kleinen Kindern auch die finanziellen Mittel für das Mitbringen der Familie. Wenn man z.B. ein drei Monate altes Kind hat, dass noch gestillt wird, so hindert einen das nicht direkt daran, einen Fachvortrag zu halten, solange man jemanden hat, der das Kind zumindest für die Zeit des eigenen Vortrags betreuen kann. Wenn man aber Reise- und Hotelkosten für die Begleitperson privat vom kargen Elterngeld bezahlen soll, überlegt man sich das schon sehr gründlich, ob man an der Tagung teilnehmen will oder ob’s auch reicht nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Wie das mit Dienstreisen in der Elternzeit ist, weiß ich auch nicht. Vermutlich geht das ohnehin nicht.

Das wissenschaftliche Dranbleiben in der Elternzeit ist also nicht so einfach. Und die richtig guten Förder- und Karrieremöglichkeiten kriegt man nur dann, wenn man dran bleibt. Hier fehlen uns die Möglichkeiten. Da ist ein 1200 Euro Wiedereinstiegsstipendium zwar nett, aber was nutzt es? Dann hat man am Ende zwar vielleicht eine unbefristete TV-L Stelle irgendwo in der Forschung und Lehre, musste aber auf die Professur verzichten. (Aber die wollten wir ja gar nicht, weil die Kinder uns völlig glücklich machen und wer will schon den Karrierestress, ich weiß ich weiß…)

Messmesse

Ich war gestern mit zwei Kollegen bei der Control in Stuttgart. Das ist eine Messe für Qualitätssicherung. Wir bekommen jedes Jahr zahllose Einladungen und kostenlose Eintrittskarten von Geräteherstellern und Forschungspartnern. Es geht auch fast jedes Jahr jemand von uns hin, um sich neue Geräte zeigen zu lassen und mal zu schauen, was es neues auf dem Markt gibt. Wir sind direkt aus dem Büro hingegangen und waren etwas underdressed, was wir aber auch aus den vorherigen Jahren schon kannten. Erstaunlich fand ich, wie unterschiedlich wir behandelt wurden. Als erstes waren wir am Stand des Herstellers (Olympus), dessen Einladungen wir verwendet hatten. Wir hatten Fragen zu Geräten. Leider so exotische Fragen, dass sie die Geräte, die wir sehen wollten, gar nicht dabei hatten. Trotzdem waren sie nett und freundlich und haben angeboten, die Geräte bei uns im Haus vorzuführen. Und als wir eine halbe Stunde später wieder am Stand standen, weil uns nochwas eingefallen war, gab es wieder anständig Auskunft. Ganz anders war das bei GE. Wir standen eine Weile an einem Exponat (einem Rohrleitungsmanipulator). Neben uns hat einer der GE-Mitarbeiter jemand anderen beraten und ist dann mit ihm weggegangen. Wir standen da nun alleine. Schließlich bewegte sich ein ander GE-Kerl in unsere Richtung. Er stellte sich an den Computer neben uns, ohne uns eines Blickes zu würdigen. So, als wolle er nur verhindern, dass wir was klauen, aber beraten wollte er uns nicht. Dann sind wir eben weitergegangen. Wir können unser Geld schließlich auch woanders investieren.

Auch sehr bemerkenswert war, wie man auf der Messe als Frau behandelt wurde. So wurde bei mindestens einer Firma nur unser männlicher Kollege mit Handschlag begrüßt und alle technischen Details wurden mit ihm besprochen. Besonders erschreckend war es bei Heidenhain. Unser Kollege hatte eine konkrete Frage und wurde dann von einem Mitarbeiter einen Meter weiter zu einem Tisch geführt, wo sie etwas aufgezeichnet haben. Meine Kollegin und ich standen am Rande des Messestandes und haben uns die Ausstellungsstücke angeschaut. Schließlich kam eine Heidenhain-Mitarbeiterin und fragte uns, ob wir zu dem Herrn gehören. Wir bejahten das, war ja schließlich so. Daraufhin hat sie sich aber sofort umgedreht und ist woanders hin gegangen. “Die hat und gerade gefragt, ob wir die dekorativen Anhängsel sind.” meinte ich zu meiner Kollegin, die daraufhin zu lachen anfing. Manchmal wäre es doch ganz hilfreich sich seinen Titel auf die Stirn zu tätowieren.

Also liebe Messeaussteller, merkt Euch folgendes (dann klappt’s im nächsten Jahr besser mit uns):

Kleider machen zwar Leute, aber manchmal haben auch die Leute in Jeans Geld zum Ausgeben. Und manchmal haben sogar auch Frauen Fachkompetenz.

Girls’ Day, die Zweite

Mein Thermografiebild

Anstrengend war’s und schön war’s. Gestern haben wir erfolgreich den Girls’ Day hinter uns gebracht. Wir hatten Spaß und die Mädels anscheinend auch. Zumindest haben sie uns tolle Noten gegeben in ihren Fragebögen. Neben solch wunderbar bunten Bildern, haben wir noch Überraschungseiger geröntgt. 15 Stück hatten wir vorbereitet. Letzten Freitag hab ich mir beim zusammenklicken der aktuellen Ü-Eier-Zettel die Röntgenaufnahmen angeschaut und für jedes der Eier einen Tipp abgegeben. Ich habe fünf Eierinhalte genau bestimmt, d.h. Serie und Figur richtig bestimmt. Bei sieben Eiern habe ich die Serie erkannt, aber eine genauere Unterscheidung war nicht möglich. Man kann auf einer Röntgenaufnahme nicht sehen, was auf einem Puzzle drauf ist, oder ob der Segelflieger blau oder grün ist. Bei zwei Eiern habe ich die Serie richtig erkannt, aber die Figur falsch getippt. Ich hab auf das rote Gummimonster getippt, aber es war das blaue und ich habe auf den Siebenschläfer getippt, aber es war der Waschbär. Eine Figur habe ich völlig falsch bestimmt. Ronny Rot Weiß wäre es gewesen. Der lag so ungünstig auf dem Röntgenbild, dass man gar nichts erkannt hat. Also war ich gezwungen zu raten und hab falsch geraten. Aber 12 (bzw. 14) von 15 ist kein schlechter Schnitt, finde ich. Die Mädels konnten es nicht so gut erkennen. Vermutlich fehlt ihnen sowohl Röntgenbild- als auch Überraschungseiererfahrung. Endoskopieren und Ultraschallprüfen durften sie auch noch. Ich war mal wieder erstaunt, dass die Mädels dachten Ultraschall und Röntgen wäre das gleiche. Beim Klausuren korrigieren kommt einem das auch immer wieder unter. Kennen den so viele Leute den Unterschied tatsächlich nicht? Vermutlich gibt es deshalb Frauen, die in der Schwangerschaft auf Ultraschalluntersuchungen verzichten, um dem Kind nicht zu schaden.

Das war also unser Girls’ Day. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei. Unser Programm steht ja jetzt.

Girls Day

Nächste Woche ist Girls Day und wir machen mit. Zum einen natürlich, weil es uns allen Spaß macht, außerdem deshalb, weil wir zwar eine kleine Abteilung sind, aber eine für den Maschinenbau untypische Frauenquote von 50 % haben, am wichtigesten aber, weil es eine tolle Sache ist. Junge Mädchen dürfen einen Tag in technische Berufe hineinschnuppern. Die Unternehmen reißen sich ein Bein aus, um den Mädchen einen tollen Tag zu bieten. Die Mädchen können dabei nur gewinnen. Ganz egal, ob sie sich aus technischem Interesse anmelden oder nur um die Doppelstunde Mathe in der Schule zu verpassen. (Es gibt schulfrei für den Girls Day.) Eine Kollegin meinte nach unserem ersten Girls Day, man sollte unterbinden, dass sich Mädels dort zusammen mit ihren Freundinnen anmelden, weil soviel gekichert wurde. Allerdings sind die Mädels nun mal im Kicheralter und mit einer Freundin an der Seite, ist gleich alles viel einfacher. Ganz egal, ob die Mädels sich anmelden um schulfrei zu haben oder weil die beste Freundin sich angemeldet hat. Sie werden am Girls Day etwas sehen, was sie noch nicht kennen. Sie werden Frauen sehen, die in Männerdomänen arbeiten. Und vielleicht denkt die eine oder andere später bei der Studienwahl wieder dran. Wenn das so ist, hat es schon was gebracht. (Und davon abgesehen, haben wir einen Riesenspaß dabei.) Leider gab’s das noch nicht, als ich noch zur Schule ging.

Verkleidete Männer

Immer wieder, wenn es um Frauen in Führungspositionen oder um beruflich erfolgreiche Frauen allgemein geht, liest man den Vorwurf, Frauen würden sich als Männer verkleiden. Das hier war der Satz, der mich mal wieder zum Nachdenken gebracht hat:

Immerhin sind sich die verschiedenen Sender und Formate in einem einig. Dass man als Frau nur erfolgreich im Beruf sein kann, wenn man sich als Mann verkleidet.

Quelle ist hier. Warum ist aber ein dunkler Hosenanzug oder ein dunkles Kostüm zwangsläufig eine Verkleidung als Mann? Was macht denn weibliche und männliche Kleidung aus? Ich habe heute etnies-Schuhe, Jeans, T-Shirt und Sweatshirt an. Bin ich jetzt als Mann verkleidet? Tragen Männer nicht auch Skateschuhe, Jeans und Sweatshirts? Was ist denn weibliche Kleidung? Ein Rock oder ein Kleid wäre weiblich. Aber auch zu einem Kostüm gehört ein Rock. Und trotzdem ist das eine Männerverkleidung. Liegt es an der Farbe? Müssen Frauen bunt oder pastellfarben gekleidet sein? Wäre dann ein pastellfarbenes Kostüm weiblicher? Und wieder stellt sich mir die Frage: Bin ich als Mann verkleidet? In meinem Kleiderschrank sind vermutlich etwa 90 Prozent meiner Kleidungsstücke schwarz, grau oder blau. Aber ein Kostüm dürfte nicht dunkel sein, damit ich nicht als Mann verkleidet wirke. Allerdings fühlte ich mich vermutlich in Pastell verkleidet. Verkleidet als Weibchen. Und sind nicht die Männer auch als Männer verkleidet? Die tragen Anzug und Hemd. Da wird nicht über die Farbe diskutiert und auch nicht darüber, ob es ein Armani oder ein Strenesse ist. Es ist völlig egal was die anhaben, warum wird bei Frauen darüber diskutiert? Warum wird Frauen vorgeworfen sich zu verkleiden. Sie machen doch auch nichts anderes als die Männer: Sie ziehen was an, was ihnen passt, was ihnen steht und was nicht von dem ablenkt, was sie sagen wollen. Schließlich will man hinterher die sein, die den besonders guten Einfall hatte, und nicht die, mit dem roten Blazer. Ist es da nicht völlig normal, dass die Kleidung von Frauen und Männern sich hauptsächlich durch den Schnitt unterscheidet? Das tut sie nämlich in vielen anderen Bereichen auch nur.

Nachtgedanken

Wenn man sich auf eine Stelle bewirbt, dessen Profil man fast zu hundert Prozent erfüllt und trotz immernoch ausgeschriebener Stelle nicht mal zum Gespräch eingeladen wird vor der Absage, dann kann das viele Gründe haben. Mir fallen dazu auch einige ein. Zum Beispiel sieben Monate Elternzeit im Lebenslauf. Vielleicht wird da dann über die mangende Flexibilität von Müttern nachgedacht und man sieht von einer Einladung ab. Was mich ärgert, weil ich gerne zu dem Thema befragt worden wäre, anstatt dass jemand für mich entscheidet, dass ich die Anforderungen nicht erfüllen kann. Dummerweise ist es aber so, dass es viel schwieriger ist eine Absage zu erteilen, wenn man eine Frau erstmal zum Gespräch eingeladen hat. Dann muss man nämlich noch mit der Gleichstellungsbeauftragen diskutieren und Begründungen verfassen. Manchmal ist der Schutz, der uns Frauen zuteil wird, eher ein Hinderniss als eine Hilfe. Kann natürlich auch ganz andere Gründe für die Absage geben, aber man wüsste doch gerne, was man bei der nächsten Bewerbung anders machen soll.

Bewerben mit Kind

Wie ist das eigentlich, wenn man sich als Frau mit Kind irgendwo bewirbt. Erwähnt man da im Anschreiben, dass man zwar ein Kind hat, aber trotzdem super flexibel ist, weil das Kind perfekt rund um die Uhr betreut ist? Oder schreibt man nichts dazu, weil es für die Arbeit nicht relevant ist, eben weil das Kind perfekt betreut ist? Es gibt ja nun diese Europass-Lebensläufe, in denen Familienstand und Kinder nicht erwähnt werden. Trotzdem gibt man ja weiter unten an, dass man Elternzeit hatte. Oder lässt man das weg, wenn keine Lücke im Beschäftigungsverhältnis entstanden ist?
Ich bin ja eigentlich der Meinung, dass man im Anschreiben nicht explizit auf die Kinder eingehen muss. Wenn das dann aus dem Lebenslauf hervorgeht, können Sie einen dazu ja im Vorstellungsgespräch befragen. Im Anschreiben möchte man erklären, warum man den Job möchte und gut geeignet ist. Da schon Erklärungen zur Vereinbarkeit mit der Familie abzugeben finde ich unpassend, da sich dann der Schwerpunkt von “ich bin gut ausgebildet und geeignet” nach “ich bin Mutter” verschiebt. Ich denke das ist eher was, worauf man im Gespräch eingehen kann. Ich frage mich aber manchmal, ob die Personaler das vielleicht anders sehen. Vielleicht wird man gar nicht erst eingeladen, weil man ein Kind hat und deshalb, wegen Überstunden und Dienstreisen, vermutlich nicht geeignet ist für einen Job. Wäre es dann nicht besser gewesen, es doch im Anschreiben schon zu erklären? Eigentlich bin ich der Meinung, dass die Qualifikation das erste Kriterium für eine Einladung sein sollte. Schließlich kann eine Mutter genauso flexibel oder unflexibel sein, wie jeder andere auch. Es gibt immer Randbedingungen, die nicht im Anschreiben stehen. Dafür gibt es ja die Gespräche. Oder sehe ich das völlig falsch?