Archive for the ‘ Alltag ’ Category

Neffen treffen

Das KSC-Spiel war ja nicht der einzige Grund, warum wir uns nach Bremen aufgemacht hatten. Meine große Schwester wohnt dort und da haben wir uns dann für das Wochenende eingenistet. Schön war’s, obwohl mein Neffe sich standhaft geweigert hat “KSC” zu sagen. Naja, das nächste Mal probieren wir weiter. Mein Neffe ist ein ganz Lieber, der sich lieber freut als ärgert. Laufen kann er schon wirklich gut, obwohl das ziemlich anstrengend sein muss mit so kurzen Beinen. Am Sprechen versucht er sich gerade. Seine Essgewohnheiten sind zwar etwas seltsam, erst Pudding, dann Würstchen, dann wieder Pudding oder einfach mal Ziegenkäse pur, aber er wird schon wissen was gut für ihn ist.
D. hat im Stadion so laut gesungen, dass ihm bereits nach zwanzig Minuten der Hals weh tat. Ich meinte, er müsse ja nicht so schreien, worauf hin er anfing in voller Lautstärke zu klatschen, statt zu singen. “Da tun Dir bestimmt die Hände weh, später.” war mein Kommentar dazu. Später zuhause wollten wir noch einen Film schauen. D. hatte sich ungünstig zum Fernseher positioniert und war von den Katzen belagert. Da er die nicht vertreiben wollte, musste er fast den ganzen Film lang den Kopf verdrehen. Beim Schlafengehen stöhnte er dann über seinen Rücken und meinte er hätte wohl irgendwie komisch gesessen. Ach nee, wirklich? Hab’ ich nicht mehrmals gesagt er soll sich doch zu uns rüber setzen? Als nächstes jammerte er dann über seine Hände. Ach, die tun weh? So eine Überraschung. Meine Schwester kam noch mal kurz ins Zimmer um zu schauen, warum wir beide so lachen und erzählte die Geschichte dann gleich ihrem Mann. Der meinte nur: “Wenn man mit einer C. verheiratet ist, muss man sich daran gewöhnen verspottet zu werden.”

Unbekannt verzogen

Wir haben uns neulich für’s DVDs leihen bei Amazon angemeldet. Zwei Wochen gibt’s kostenlos und probieren kann man’s ja mal. Als Versandadresse hab ich meine Standardversandadresse angegeben, nämlich meine Packstation. Die erste DVD kam da auch hin. Die zweite kam nun gar nicht an und nachdem ich das reklamiert hatte, teilt mir heute Amazon mit, dass meine Versandadresse ungültig und die DVD unzustellbar zurückgekommen sei. Warum kam dann die erste an? Hat der Briefträger die Straße mit Namen “Packstation” gesucht, oder wie? Ich bin verwirrt und lass mir die DVDs jetzt halt doch nach Hause schicken.

Viva la Südstadt!

Woran merkt man, dass man in der Südstadt wohnt?
Der nächtliche Geräuschpegel kann darauf hindeuten. Auch der hohe Anteil an anderssprachiger Bevölkerung und die hohe Dichte von türkischen Supermärkten. Die Alkoholauswahl in allen Läden ist dreimal so groß wie die Gemüseauswahl und der durchschnittliche Kunde hat zumindest eine Fahne, wenn nicht schon einen sitzen. Ein weiterer Hinweis ist, dass Samstags abends alle 40 ‘Stirb langsam 4.0′-DVDs ausgeliehen sind. Aber wirklich sicher kann man sich sein, wenn einem abends, kurz vor Ladenschluss, im Discounter um die Ecke ein tätowierter Mann, mit kurzen Hosen und Oi!-Pulli, in seinem Tabakbeutel kramend, im Gang den Weg versperrt um einem sein selbstangebautes Gras zu schenken. “Zum Testen ob’s gut haut”. Dankeschön, und wohin mit dem Testbericht? Aber wahrscheinlich trifft man sich einfach mal wieder um zwei Minuten vor Ladenschluss im Discounter.

Lachkaffee

Gestern war mal wieder Chorprobe. Stulle und ich sind danach noch ‘nen Kaffee trinken gegangen und sind in so eine Kaffeebar gegangen, wo wir noch nie waren. Die war ganz gemütlich aber komplett leer. Stulle kannte allerdings die Bedienung und Ruhe war uns eh recht. Ich habe gleich noch Scherze gemacht, dass doch bestimmt gleich Stulles Traummann durch die Tür käme und als dann tatsächlich einer kam, mussten wir lachen. Der war leider nicht ihr Traummann, war aber ganz brav und hat sich an den Tisch hinter uns gesetzt. Was er da gemacht hat, weiss ich nicht, weil ich mit dem Rücken zu ihm saß, aber ich glaube, der hat da nur unsere Gespräche belauscht. Kurz danach kam dann noch ein Kerl rein, der sich auch brav an einen Tisch setzte. Dann kam der Albtraum jeder Bardame: ein Kerl, der sich selbst so toll fand, dass er meinte es sei ein Geschenk, dass er sich jetzt mit der Barfrau unterhält. Sie hat sich erstmal demonstrativ in ihren Schal gewickelt um dann nach draußen zu gehen. Darauf er:”Du willst doch nicht jetzt eine rauchen gehen, wo ich nur noch zehn Minuten Zeit habe, mich mit Dir zu unterhalten.” Sie blieb nett und freundlich: “Ich muss mal kurz eine Freundin anrufen. Die hat grade Führerscheinprüfung gehabt und das ist jetzt voll wichtig.” Wir fanden das ganze eher witzig und mussten wieder kichern. Auch der Kerl hinter uns hat sich ein Lachen nicht verkneifen können. Das manche Leute auch so unsensibel sind und nicht merken, wenn jemand nicht mit ihnen reden will. Später, als sie wieder zurück war vom Telefonieren, hat er’s weiter probiert mit “Erzähl doch mal was von Dir!” und solchen Sprüchen. Sie blieb weiter freundlich, ihre Körpersprache sagte allerdings deutlich “Verpiss Dich. Du nervst.” Wir haben sie dann alleine gelassen mit den 3 Männern in der Kneipe und vor der Tür weitergelacht. Aber wir haben netterweise draußen gewartet, bis der Kerl an der Bar endlich gegangen ist.

Sardinen in Büchsen

Heute wird mal wieder gestreikt. Macht aber nichts, weil die Bahn ja Notfallfahrpläne gemacht hat. Die S1, S2 und S5 fallen komplett aus, der Rest fährt. Also halb so wild. Heute morgen musste ich nur 10 Minuten auf die nächste S3 warten. Der Bahnsteig stand ziemlich voll mit Leuten. Aber wenn man aktiv anstehen gelernt hat, steht man natürlich direkt an der Tür, wenn die S-Bahn hält und so hatte ich sogar einen Sitzplatz und konnte gemütlich zuschauen, wie die restlichen Menschenmassen versucht haben sich in die S-Bahn zu quetschen. Natürlich sind nicht alle reingekommen und ein paar arme Gestalten wurden traurig am Bahnsteig zurückgelassen. Umso überraschter war ich dann, als sich an der nächsten Station (Stadtmitte) ein Teil der Menschen wieder aus der Bahn rausdrängelte. Die haben sich doch tatsächlich in die einzige Bahn, die in dieser Richtung aus der Stadt rausfährt, reingedrückt um dann an der nächsten Station wieder auszusteigen. Wie assozial ist das denn! Erstens ist das gerade mal ein Fussweg von 10 Minuten, zweitens fahren da auch U-Bahnen hin und drittens hätten die ja auch die S4 oder die S6 nehmen können, die 3 Minute später gekommen wäre. So mussten dann Leute am Bahnsteig bleiben und 15 Minuten auf die nächste S3 warten, die keine andere Möglichkeit haben als diese Bahn zu nehmen. Sowas will mir echt nicht in den Kopf. Da möchte ich fast wieder auf die Schwaben schimpfen, allerdings fürchte ich, dass einem sowas im restlichen Deutschland auch passiert.

Leicht verdientes Geld

Gestern hat nicht mal ein Tannenzapfen mehr unsere Tür geöffnet. Gerade waren wir vom Essen mit meinem Schwiegervater und dessen Frau wieder nach Hause gekommen und wollten nur kurz was Wärmeres für’s Stadion anziehen. Beim Rausgehen fiel die Tür zu und keiner von uns beiden hatte einen Schlüssel. Die Telefonzelle wollte einen Euro für die Auskunft, was wir auch nicht hatten und so sind wir zurück zu D.s Vater gelaufen und haben dort den Schlüsseldienst angerufen. Der hat gerade mal zwei Sekunden gebraucht um unsere Tür aufzumachen. Erschreckend. Einbrecher schaffen das bestimmt auch. Aber auch erschreckend ist, dass der dann in zwei Sekunden 79 Euro verdient hat. Das würde ich auch mal gerne.
Für’s Stadion war es dann zu spät, aber das Spiel war ja wohl sowieso eher ein Grottenkick.

Zusammen was trinken

Neulich in der Kneipe haben wir uns zu einem einzeln sitzenden jungen Mann gesetzt. Der hatte sich ein Bier bestellt und war am Telefonieren, auf englisch. Das ging echt eine ganze Weile und er hat sein ganzes Bier beim Telefonieren getrunken. In meinem Kopf entwickelte sich dann die Vorstellung, dass er mit einem Kumpel aus England telefoniert, der auch gerade in seiner Lieblingskneipe irgendwo auf der Insel sitzt. Die haben sich wohl verabredet um was trinken zu gehen und das ohne in der gleichen Stadt zu wohnen. Die moderne Kommunikation macht’s möglich. Da ergeben sich ganz neue Perspektiven. Elendige Diskussionen könnte man vermeiden in dem einfach ab jetzt jeder in seine Lieblingskneipe geht, was zu trinken bestellt und die Kommunikation läuft übers Handy. Ich bin wirklich begeistert!

Die Erwachsenen von morgen

Mein Neffe ist jetzt etwa anderthalb. Da der am anderen Ende von Deutschland lebt, kann ich seine Entwicklung hauptsächlich auf Fotos und am Telefon verfolgen. Beim letzten Telefonat mit meiner Schwester fragte ich nach seinen sprachlichen Fortschritten. Die sind toll, wurde mir berichtet. Er sagt bereits verschiedene Wörter, z.B. heiß, Arm, Hunger und Dracula. Dracula? Das Kind wächst ohne Zweifel in einem Goten-Haushalt auf. “Na wir haben da ja ein Dracula-Poster hängen und er fragt eben, was da drauf ist und wir sagen dann Dracula.” war die Antwort auf mein erstauntes Nachfragen, warum er denn ausgerechnet das Wort kennt. Er fragt auch bei dem StarWars-Poster und mein Schwager erklärt ihm gerne immer wieder, was da zu sehn ist. Schon bei der Erwähnung von StarWars hörte ich den Kleinen im Hintergrund die Laute nachformen. Uns so kommt es, dass er neben “Wie macht der Hund?”, “Wie macht die Kuh?” eben auch noch “Wie macht der Darth Vader” und “Wie macht der Chewbacca?” lernt. Mit meinen eigenen Ohren habe ich’s gehört, dass er das kann.
Für’s nächste Kind habe ich dann den Kinderwagen, den Isnochys schon mal vorgestellt hatte, vorgeschlagen.

Back on track

Das erste Mal wieder Arbeiten nach dem Urlaub. Mein Büro ist unaufgeräumt wie eh und je. Auf meinen Stuhl türmen sich die Arbeitszettel unseres Technikers zum unterschreiben. Mein Kollege ist in meiner Abwesenheit gefeuert worden. Ok, das hatte ich schon befürchtet nach allem, was sich in den letzen Monaten so an Frust (auf beiden Seiten) angestaut hatte, aber seltsam ist es schon. So oft habe ich über ihn gemeckert, weil er mir einfach schnell auf die Nerven geht, besonders freitags, wenn der Schlafmangel sich langsam bemerkbar macht. Aber ich denke er wird mir trotzdem fehlen, oder vielleicht auch gerade deshalb.

Wieder hier in meinem Büro fällt mein Blick auf das rosafarbene UFO und ich merke, ich habe meine Aliens zuhause vergessen. Zum azurblauen Alien hat sich noch der grüne (“Er ist nicht immer der Schnellste, aber in der Akrobatik schlägt ihn keiner!”) gesellt in der letzen Woche. Heute morgen habe ich zwar noch den roten dazugewonnen, aber der passt nicht besonders gut zum rosafarbenen UFO.